Jazz in 2017 – Rückblick

Our Roots are in Africa

Was soll man dazu sagen?

Pharoah Sanders 1996

Was ich spüre, sehe, höre. Versuche, den Roots zu folgen. Our Roots are in Africa, Pharoah Sanders 1996 leicht verständlich … oder eben Eric Bibb trocken elegant, Lackschuhe und schicker Anzug gehörten zum Repertoire.

Ich will verstehen, woher ich komme, wohin es geht, will sehen, wie es spannend, aufregend oder interessant wird, alles ändert sich, nur du bleibst stehen? Und nehme Kultur zu mir wie Eintopf, Gemüse und all das Reichhaltige vom Markt. Und? Was war die Aussage? Scott Du Bois Autumn Wind ACT- Records

Gern würde ich mehr verstehen und nicht nur nicht verstehen. Trotzdem kann die Lösung dieser Aufgabe, die viele Aufgaben sind, kaum bedeuten, dass ich mich nur nach Gefälligkeitsprinzipien und -riten oder -modellen sehnen soll oder einfach mal so tun, als gäbe es das: Vereinfachung ohne Verlust. Vielmehr sollte klar sein, dass, nimmt die Vereinfachung überhand, die Langeweile beginnt.

Spannend und aufregend und intensiv sind noch immer jene Ereignisse, da Unterschiede aufeinander treffen, sich begegnen, sich reiben, aufeinanderstoßen und zu neuen Ergebnissen führen. Da möchte man unsere Breiten verlassen und sich freuen, was es alles zu hören gibt, wenn erst


Gōng (; wie: c d e g a), Shāng (; annähernd: d e g a c‘), Jué (; ungefähr: e g a c‘ d‘) Zhǐ (; etwa: g a c‘ d‘ e‘), Yǔ (; wie: a c‘ d‘ e‘ g‘),


wenn also die zwölf Lü der chinesischen Musik auf die dorischen, phrygischen, lydischen, mixolydischen oder lokrischen Tonleitern stoßen …

und wer wen wie beschenkt, bereichert, übernimmt oder doch wieder reduziert. Auch das ist Teil des Wachsens und Hörens aneinander und umeinander. Wer kann da noch sagen, mein Gott, jazzt ihr noch richtig, soll das Neue Heimat sein? Klar doch, möchte man rufen. Our Roots!

Nicholas Payton AFRO – CARIBBEAN MIXTAPE

Was glaubst du, wie klein deine Heimat wird, wenn du sie um all die Möglichkeiten reduzierst. Willst du etwa stumm werden und selbstzufrieden nur zwei Laute von dir geben; Ah und Oh?

Stehend in den Rängen und sehen und hören, wer neben hinter oder vor dir steht, hört und wartet und Ah und Oh ruft?

Und zu wissen, dass das Gleiche in der Kurve, in den Rängen gegenüber und hinter dem Tor vor der Ostkurve nochmal stattfindet, Ah und Oh.

Wie heimatlich kuschelig war es neulich im Stadion. Komm, lass uns einen Club aufsuchen. Ich fühle mich in diesem großangelegten Wir nur irr.

Die Pentatonik. Mehr als 5000 Jahre schon ist sie musikalische Wurzel

Ich schaue mir noch einmal das Beispiel von Bobby Mc Ferrin an. Die Pentatonik. Mehr als 5000 Jahre schon ist sie musikalische Wurzel der Menschheit. Da kann man nicht mehr so tun, als würden nur die ihre Roots richtig setzen, die sich mit der Kritik der reinen Vernunft auseinandersetzen aber auch „Die Negers haben kein Gefühl, welches über das Läppische stiege“ von sich gibt (I.Kant) oder etwa … nein, ich lass den Adorno ruhen … REZ ABASI Gitarre Unfiltered Universe (Whirlwind Record)

Beobachtung: der Rock ’n Roll, der Jazz, die Improvisation … all das steht unter Druck und wird durch die viele Arbeit so vieler tatsächlich technischer und ausgefeilter, es trägt Früchte, geht ein, kommt wieder, erneuert sich … mal ist es ein gröhlender Motor, dann eine dampfende Maschine, eine ölige Sache, die Regale füllen sich täglich neu. Trotzdem. Musik ist und bleibt auch Medium, den Zustand seiner Teilnehmer zu erkennen. Zu beobachten. Zu verstehen. Es scheint sich einiges an Luft freizusetzen. Das Komplexe, die Liebe. The Love Supreme. Das Herzliche. Das Davonbrausende. Die Wut, der Orkan, das Durchgeknallte, wie abgedreht.

Da hast du deine Zeit rein gesteckt und nun stellst du fest, es war nur Zeit – das Ergebnis hört sich an wie vom anderen Stern

Blue Marquams (ECM)

Wo all das Draußen zu wirken beginnt wie eine Abfertigungshalle, the big move, the big run. Ein Rausch, ein Lauf. Da setzt Brahem einen Halt. Virtuos und eher verspielt leichtfüßig, sehr fein.

Überhaupt ECM. Die Überraschung des Jahres: ECM GOES STREAMIN. Alles in der Cloud? Wirklich alles? Nein, nicht alles. Aber immer mehr. Das ist nun nicht Tendenz nur, sondern unumkehrbar? Scheinbar ja.

Anouar Brahem – Blue Maqams,

Ein zweites Highlight ist sicher die Aufnahme Marseille von Ahmad Jamal. Angesichts der 87 Jahre von Jamal ein Wunderwerk. Wie stilsicher und geschwind er das Klavier bespielt. Unbedingt reinhören.

Marseille (Jazz Village)

Sometimes I feel like a motherless child
!! Ahmed Jamal, geboren 1930 !!

Was kann ich dem Jahr 2017 nun bescheinigen, außer dass es wieder eine Menge an Neuerscheinungen gab. Soll ich mich noch wundern über Kamasi Washington, vor kurzem noch unbekannt, nun erzielt er sogar einen Top Ten der Musikclips! Soll ich mich wundern, dass Pat Metheny dieses Jahr keine Aufnahme freisetzte, sondern seinen Fanartikelshop ausbaut?

Soll ich nochmal an Cassandra Wilsons Befürchtung aus dem Jahr 2015 erinnern, die Szene würde ihre Roots aus den Augen verlieren? Da kann ich gleich mal einen Gegenbeweis setzen: Wer reinhören will: Eric Bibb Migration Blues.

AHMAD JAMAL – Marseille

Eric Bibb Dixiefrog Records

Some real stories, könnte man dazu sagen. We are all migrants. Darf man das ungestraft sagen? Heimatgefühle. Roots. About all the brothers and sisters in the world who are stressed. 2017 war also stressig. Die Musik droht sich zu entkoppeln. Und trotzdem. Das eine ist ohne das andere nicht denkbar.

Das geht in mindestens zwei Richtungen. Dorthin, wo ich bei aller Freiheit meine in mir liegenden Grenzen verspüre, dorthin, wo ich in mir noch unfertig, übend und wollend bin, mich meine Unfertigkeiten noch nicht mit den anderen zusammenspielen (kommunizieren) lassen. In meinem Grundschulzeugnis steht: Deutsch als erste Fremdsprache.

ERIC BIBB – Migration Blues

Der Blues. Einer für alle. Man braucht ihn kaum üben, nicht wahr. Zwei dreimal rumgeschrummelt und los. So what?! Thats It! War was? 

Hören wir mal auf mit dem Höher Schneller weiter?

Jaco Pastorius Truth Liberty & Sound gibt es zum Mitmachen. Was du live nicht mitbekommen hast 1982. Most of the best live recordings you can find worldwide … sagt der Marketingschwindel … they really bumbed in the sky. Muss das sein? Im Ernst. 

 

Was ein Label, kennst du dich aus mit resonancerecords? Nein. Und? Der alte Text lautete: bin gespannt, ob mir die Scheibe jemals unterkommt. [Jetzt wird überarbeitet und siehe: es ist alles da.]

Zarah McFarlane Arise. Ihre dritte Veröffentlichung nach Until Tomorrow (Brownswood, 2011) und If You Knew Her (Brownswood, 2014) Sommermusik im Winter. Was willt du mehr?! Stimme! 

 

Big is not big enough?

give us some peace, please.

Fred Hersch
Eric Bibb
Tony Allen
Orion Tango

Jack DeJohnette, Grenadier, Medeski, Scofield Hudson.

Die Mission Computer nehme uns alles ab, trete an unsere Stelle. Das ermüdet mich. Lässt mich zweifeln, verzweifeln. Ist das selbstverschuldete Prophezeiung? Ist etwa jeder Einzelne nur noch eine Black Box, ich im Vakuum der anderen? Möchte manchmal Laptop und Google-Handy auf Nimmer wiedersehen … Das muss dann mal Konsequenzen haben, hoffentlich bald. Ich selbst will das nicht mehr. Ständig vor der Mattscheibe sitzen und Menschen nach ihrem Internetwert gering oder wertschätzen. Während sich der öffentliche Raum entleert. Wenn ich ehrlich bin, habe ich mehr Konzerte vor der Scheibe verbracht als im Club. Das muss sich ändern, werde ich ändern. Das Internet will mich inhaliert, will alles von mir. Während ich nur den Blick auf die Glotze dafür zurückkriege. Das kann nicht gesund sein.

verhoovensjazz john abercrombie rip

Trust Us

Only music helps!

Jazz-Nekrolog 2017 – jedes Jahr diese Liste zu sehen.

Auf anderen Kanälen ist irgendwas von Standards die Rede und dass der Jazz nie stirbt, sondern zum Klassiker wird – der Jazz dürfte so tot wie lebendig sein, wie alles was tot oder lebendig ist. Redet doch nicht so viel. Spielt lieber, Leute, hört einander zu und gebt mal ein paar mickrige Minuten eures Hirns her, damit ihr mehr vom Leben habt, glaubt mir.

Al Jarreau (1940- 2017), Sunny Murray (1936 – 2017), Geri Allen (1957-2017), Greg Allman (1947- 2017), Fats Domino (1928-2017), Jon Hendricks (1921- 2017), Ben Riley (1933-2017)

Wish you were Jesus Soulfood

Der Weg zur ersten Aufnahme oder zum ersten Gig in einem Club führt nicht zwangsläufig nur über akademisches Tonleitern. Nicht über das Studium der reinen Lehre. Vielmehr über das Erleben im Zusammenspiel der Persönlichkeiten und Charaktere. Im Club, in den Bars, auch in Bahnhöfen, an Bushaltestellen in Wohnzimmern laufen sie dir über den Weg. Voraussetzung: du musst dich bewegen! Und mich einsetzen, auseinandersetzen, streichen, sammeln, verwerfen und wieder neu zusammenfügen. Die eigene Stimme entwickeln, ausarbeiten, finden. Gott, was rede ich. Mach erstmal die Zigarette aus!

Spielfreude? Mit was, in was, durch was? Back to the Roots? Einfache Rhythmik, Wiedererkennbarkeit, das Kinderlied, die ursprüngliche Form, die Folkore, Song Sung Blue. Das Summen, Brummen, das Stockschlagen, der einfache Beat. Was heißt das, Back to the Roots?

Best of Websites

Denn ich benötige Orientierung, klar, Stellung, Position, Aussage und Haltung in diesem Irren

Bandcamp
Bandcamp

Bandcamp

Zwangsläufig, so die Prognosen, wird das Handwerk Renaissance feiern, da die Maschinen sich selbst replizieren

Jazz Views Net
Jazz Views Net

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London Jazz News

London Jazznews

Wie würdest du im Kontext pentatonische Notenskalen einordnen, als einfach, komplex oder als Grundlage des Brummens und Summens?

allaboutjazz
allaboutjazz

allaboutjazz

Matt Wilson’s – Honey and Salt Alles durcheinander? Music for lonely hearts. Yeah. Anywhere and everywhere people. So what? So What! Schon wieder was? Ja, erst leiden dann bedauern, dann das Feeling einer Baumwollflückerplantage zurückgewinnen. Braucht es etwa Archaik, mit Trommeln und Flöten und Grundbrummen. Gleichgesetzt mit einfachen Riten und Ritualen. Machen wir uns die Welt wie wir sie brauchen. Smart und gefügig? Mann ist das alles anstrengend. Wie bitte, ich versteh dich nicht.

Orion Tango The Apple of No. Ja, experimentieren ist erlaubt.
Muss ich das studiert haben? Wo ist die Ekstase? Wer war die Ekstase? Ist nicht alles Ekstase?

Halte dagegen: eine Akademisierung droht graduell zu technischem Spiel zu werden, stellt auch nur eine der vielen Optionen dar: Musik ausüben, verstehen, erlernen, teilen : kannst du studieren, den Instituten, dem voraus ging die harte Schule am Instrument, in der Garage, im Proberaum, der Schlüssel zum Erfolg blieb eine schale Metapher, da sie sich über Graduation oder Stipendium definiert und dann als Absageschreiben der Institute im Briefkasten liegt.

Pentatonik zum zweiten

Bobby McFerrin führt es vor: Es gibt offenbar ein Grundverständnis von Musik und seinen Scalen, die über die Kulturen hinausweist. Wo immer Bobby McFerrin dieses Spiel spiele, egal mit welchem Publikum, das Ergebnis sei immer gleich. Das Publikum hat die Fünfton-Skala intus.

Cum Ergo: Back to the Roots heißt mitnichten zurück zum Einfachen, der Klarheit oder dem Primitiven, wer sich nämlich ein wenig mit Harmonielehre befasst, wird sehen, dass die Neuzeit mehr Primitives (auch Hierarchisierungen) erzeugt und kultiviert als im ursprünglichen menschlichen Root angelegt. (Einspruch euer Ehren. Ist das hier nicht alles ein einziger und fetter Blues?)

… etwa von Anfang an? Jazz in Deutschland von 1920 an …

2017 heißt für mich. Ich will lernen, mich verändern, mich verbessern, mich auf Zuhören und Mithören schulen. Denn ohne Schulung, ohne Proben, ohne Arbeit an mir selbst wird es nicht. Daran wird sich auch 2018 nichts ändern.

Eine Sammlung. Die Konventionen. Die Extras.

YOUTUBE – WATCHLIST – bedenkt bitte wieder: die DSVGO: heißt: Youtube Cookies nach Nutzung bitte wieder löschen, sie folgen dir. Bria Skonberg – So Is The Day Cécile McLorin Salvant – You’re My Thrill Fred Hersch – Open Book Mikrojazz – Neue Expressionistische Musik Wolfgang Haffner – Kind of Spain Björn Meyer – Provenance Jon Balke – Nahnou Houm Lisette Spinnler Quartett – Sound between falling leaves Tony Allen – The Source Miguel Zenon – About „Tipico“

WEITERE LINKS ZU MAGAZINEN : Jazzwisemagazin Stereogum Pitchfork popmatters The Quietus The Guardian und wer will, hier noch eine List of List

Aufgeschnappt: Jazz, aus dem Kontext gerissen, sei in Teilen weg von den Roots, den Straßenlöchern, dem Frust in den Knochen. Dem Eishacken, dem Mülleimer Durchsuchen. Ebenfalls aufgeschnappt: Musik kommt in den USA, Artikel vom 11.12 weitgehend ohne Fördertöpfe und Stipendiatensysteme. Sie erlebe trotzdem Zuwachs. Man braucht für die USA nicht befürchten, dass die Musikkultur zusammenbricht, nur weil der neue Präsident sich mehr für Wrestling interessiert.

Our Roots are in Africa

Siehe auch dieses Jahr: Unfassbar viele Neuerscheinungen. Eine(r) besser als der/die andere. Ich kann deswegen keine Best of machen, keine Fifty Shades of Jazz, keine Best of Seven Eleven und auch keinen Number 40 Test. Kann nur bekanntgeben, weiterreichen, empfehlen, mitjubeln, das Taschentuch reichen. Den Kussmund imitieren, die Trombone dämpfen. Die Triangel weiterreichen. Stimmen, Imitate, große Scheiben, kleine Scheiben, Aufnahmen der Verstorbenen, die weiterleben. Performancemacher am Markt. Und immer ist es ein einziger Schrei nach Love Supreme? Es sind so viele, du kommst mit Zählen nicht nach.

Chris Potter The dreamer is the dream (ECM) Jon Balke  Nahnou Houm (ECM) John Warren The Traveller’s Tale David Binney Arve Henriksen Towards Language

Charles Lloyd New Quartet – Heineken Jazzaldia 2017

Much more Youtube Clips : Charles Lloyd ad Jazzaldia 2017Nate Smith + KINFOLK: NPR Music Tiny Desk Conert : Jammen im Wohnzimmer

TajMo – Taj Mahal & Keb‘ mo‘ – „Don’t Leave Me Here‘ Officeial VideoRain Sultanov Seven – Sounds of Azerbeijan – Gerry Gibbs & Thrasher People – Weather or not – Mark Guiliana Jazz Quartet – Jersey – Mike Reed’s – Flesh & Bone Nomade Orquestra – EntreMundos – Pauline Ganty Quartet – ApresVijay Iyer Sextet – Far From Over

 

Gerne verlinke ich auch auf meine Berlin Abteilung A-Z. Eine alphabetische Aufstellung vieler Musikerinnen und Musiker aus Berlin. Sicher nicht vollständig, ein Anfang aber ist gemacht.

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