Filip Żółtowski Quartet – Humanity

Filip Żółtowski Quartet Humanity

Das Filip Żółtowski Quartett, ein junges Danziger Ensemble, wurde im August 2020 gegründet, es besteht aus Studenten und Absolventen der Danziger Musikakademie:

Filip Żółtowski Trumpet
Szymon Zawodny Saxophone,
Wojciech Wojda Keys, Piano, Moog;
Mikołaj Stańko Drums,
Natalia Capelik Voices (8.“Dzień i noc)

Recorded in Custom34 Studio
Sound Engineer: Piotr Łukaszewski
Mix& Mastering: Paul Rutschka

Production: Filip Żółtowski
Publischer: Stankoffamusic Krystyna Stańko
Distribution: Soliton

Ich kann lesen: „Eine Mischung aus Jazztradition mit Elementen des Pop und elektronischem Beat, mit Hip-Hop-Einschlägen, herauszuhören die melidiöse Nähe zu Steve Colemans Five Elements und Brad Mehldaus Arpeggienwirbel.“

Die beiden Eingangsstücke machen sofort ein großes Versprechen auf und wissen ebenso schnell zu überzeugen.

Trompete und Saxophon übernehmen dabei im Wechsel Führung, Linie und Volumen – in Inhuminazion gut herauszuhören: die Suche nach Übereinkunft zum Thema – kontradindikatorisch bleiben die Solisten in der Harmonie – und weniger in der Unruhe.

In Questions with no Answers scheinen sie folgerichtig etwas festzustecken in einem vom Piano vorgegebenen Harmoniegerüst – eröffnen dabei aber einen Blick unter die Haube: dass sich manche Themen musikalisch kaum beantworten lassen: weil sie sich querstellen.

Wie antworten? Andere Fragen stellen? Ambient? Oder Melodie? Oder nette Geste – zum Spiel?

Das übergeben sie an Equilibrium, hier will es aufgebrochen werden – ebenso folgerichtig, dass Bass (Moog) und Schlagzeug die Dramaturgie übernehmen – was sich in den Eingangsstücken wie eine diskursive Formation anhört, wird zu einem Auseinanderdriften jeder gegen jeden. Quasi eine Gegensprechanalyse.

Multitasking doesn’t exist: der Ruhe- und Mittelpunkt des Albums: die gesamte Bandbreite ihres Könnens auf den Punkt gebracht – damit spielen sie sich in gute Gesellschaft ein mit so Bands wie Minua, Fazer oder Jazzpispolita, Bloto.

Die Themen sind ambitioniert: „Die Welt der Algorithmen mit der Naturwelt versöhnen, zwei Welten, die noch ausbalanciert werden wollen.“ Zitat Bandcamp.

Herausgekommen ist ein Sound, der zu faszinieren weiß und irritieren und die Konventionen zwischen bekanntem IT-Spuk und dem unbekannten Natur-Phänomen aufzubrechen scheint. Man kann umgekehrt auch vom Natur-Spuk und vom IT-Phänomen sprechen. Was sich in dieser Aufnahme gerade eben nicht zu versöhnen scheint, sondern Diametrales wagt, Verstörbares aufspüren will und Verstörendes aufnimmt.

Anzumerken ist der Aufnahme eine Annäherung an politische Statements oder Fragen, die Antworten geben sie in vorsichtigem Herantasten an die Themen, sie scheinen es aber, wie üblich bei solchen Fragen, auf spätere Sitzungen zu vertagen. Im Gegenzug ist, wenn Frage- und Antwortspiele nicht als stakattoähnliches Gegeneinander aufgespürt, sondern zu einem Fluidum des Umeinander umgesetzt werden, vom Quartet um Filip Żółtowski noch einiges zu erwarten, was Hörgewohnheiten auf eine Probe stellt. Jawohl, möchte man rufen, weiter so!

Vom (angedeuteten) Drive aus dem letzten Drittel in Painful Rainbow geht ein enormer Druck aus, davon kann es nicht genug geben. Diesen Druck allerdings bestimmen sie: in welcher Dringlichkeit, in welcher Wucht – inbetween sein oder unentschieden, so ist zu hören, kann auch verstören – die Absicht, etwas auf den Punkt zu bringen, kann dabei entweichen – ich traue ihnen aber zu, dass sie noch einiges in der Pipe haben und auch gut in die Vollen gehen können. Wie sehr schön zu hören und zu sehen in ihrem Studio S3- Mitschnitt auf Youtube.

Andromeda Mega Express Orchestra & Hermeto Pascoal (feat. Aline Morena & Fabio Pascoal)

Illustration& Cover design: Stefan Głośnik

Gerne verlinke ich auch auf meine Berlin Abteilung A-Z. Eine alphabetische Aufstellung vieler Musikerinnen und Musiker aus Berlin. Sicher nicht vollständig, ein Anfang aber ist gemacht.

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