Streaming Portale

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Deezer, Tidal, Spotify & Qobuz

In 2020 bei Erscheinen des Nir Felder Albums konnte ich erkennen, wie er es mit Hinweis auf die Streaming-Dienste von Apple-Music, Spotify und Tidal bewarb. Ich hatte nicht mitbekommen, dass 2015 schon namhafte Musiker sich zusammenschlossen zur Einrichtung eines eigenen Streaming Kanals.

Schon denkst du über einen Wechsel von Spotify zu Tidal nach. Warum? Es scheint im Sinn der Musikerinnen zu wenig abzufallen beim Platzhirschen der Szene, das ist nach allem, was zu sehen ist, noch immer Spotify. Tabellen und Statistiken gibt es: das alles aber Spotify allein anzukreiden, scheint jedoch verkürzt. Die Frage stellt sich trotzdem: Welche der Streaming-Dienste ist im Sinn seiner Kulturschaffenden am fairsten in Bezahlung, Beteiligung und Förderung.

Nearly Stitches – wie immer gilt: Youtube verfolgt dich, trotzdem sehenswert

Digitale Medienstransformation vom 08.06.2021
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ARTE BEITRAG vom April 2021

Wenn Arte sich schon darum kümmert, kann es zu einer Lösung nicht weit sein … ? (Achtung Youtube – die verfolgen dich, trotzdem Prädikat sehenswert!): wer keine Ahnung hat, wo die Monatsgebühren hinfließen – kann es hier sehen und hören: zu den Major-Labels – in GB sagt denn auch die Politik mal Guten Tag zum Gebaren und Treiben derjenigen, für die Zusammenarbeit erst zu funktionieren scheint, wenn einige wenige alles kassieren und die meisten, also fast alle anderen leer ausgehen. Wenn Geld nur an die weitergereicht wird, die es haben – macht sich der Platzhirsch Spotify zum Buh-Mann und versucht seinerseits, diesen den Labels in die Schuhe zu schieben – ja, geredet werden muss. Denn: Hoffnung gibt es auch: nichts ist, wie es scheint, es scheint nur, als änderte sich nichts. Irgendjemand wird eines Tages etwas Besseres herausfinden.

Abgesehen davon, dass Labels und Plattenverlage die Verwertungsrechte innehaben und all das hausinterne Sache ist. Offenbar ist. Nischenmusik wie Jazz, Blues oder Klassik (absurd: Klassik als Nischenprodukt zu bezeichnen) haben in der Welt der Klickzahlen einen schweren Stand, da weniger vom Starnimbus ausgegangen werden kann, als von in sich komplexen Modellen. Orchester haben mehr als fünf Musikerinnen, spielen mehr als einen Komponisten, haben mehr als eine Vorliebe. Popstars scheinen im Vorteil. Trotzdem rumort es unter ihnen. Da mit Ausschüttung der Rechtewerte an die Labels noch lange nicht die honoriert werden, die tatsächlich Musikschaffende sind.

Aussage gegen Aussage:

Spotify: Die Musiker werden irgendwann in den Genuss ihres Gehalts kommen, wenn erst genug Abonnenten erzielt sind. Welche Jahre abzuwarten sind, weiß niemand.

Bei Deezer ist man seit Jahren dabei, ein Quotenmodell zu schaffen, heißt: Tantiemen oder Abogebühren sollen so aufgeteilt werden, wie tatsächlich Musik konsumiert wird. Meine 10 oder 20 Euro sollen tatsächlich an die ausgeschüttet werden, die ich höre. Trotzdem scheint auch das kein einfacher Weg. Erstens ziehen nicht alle Labels mit, zweitens die Konkurrenz untereinander, es kommt kaum zu einheitlichen Regelungen – solange kein Druck entsteht von Konsumentenseite. Fakt ist: Du hörst Spartenkanäle und deine monatliche Gebühr wird unter denen verteilt, die ihre Kompositionen schon den erwartbaren Streamings anpassen. ()

Unterschiede in den Margen noch nicht berücksichtigt. Beispiel: Amazon, Beispiel Youtube oder darin enthalten Google Musik. Die Tortenstücke verraten es: Die Ausschüttung an die Künstlerinnen ist bei Alphabet (Google) mit am schlechtesten.

Spotify, Deezer, Qobuz und Tidal.

(Deezer ließ 2020 verkünden, ein Bezahlmodell für Frankreich (Link aus 2017), in 2020 angedacht zu haben, in dem die Quotenregelung beinhaltet sei, noch 2020 sollte das in eine Beta-Phase übergehen.

Bei Tidal sind Musikerinnen Betreibende – sie kommen wohl mehrheitlich aus der ohnehin gut aufgestellten Rap-Szene (muss nichts heißen). Bei Qobuz wird von der Liebe zur Musik gesprochen, Transparenz gibt es kaum.

Ausweichen kannst du auf Produkte wie Bandcamp oder resonate.it … Playfair unter der Regie von Blogchain – mit einem Angebot, da weiß ich erstmal nichts.

Verteilungsprobleme

Ziel müsste es sein, dass die 10 oder 20 Euro, die ich im Monat irgendwo reinpumpe, nicht nur bei denen ankommen, die eh nicht mehr wissen, was sie damit anfangen sollen, sondern bei denen, die mir mein Leben mit ihren Aufnahmen maßgeblich verbessern, den Musikern und Musikerinnen meiner Sparte. Was Independent mit einschließt.

Lese und blicke ich über den Teich, stöhnen und ächzen dort die von mir präferierten Akteure ebenfalls – die Zeit für anspruchsvolle oder andere Musik oder für die Vielfalt der Musik an sich scheint sich, betrachtet man die Charts und die Playlists, gegen Ambition, gegen Sparte, Nische oder Diversität zu richten, am Ende gibt es nur noch Möhren und Kartoffeln, weil wir den Rest vergessen haben zu unterstützen oder zu fördern.

Vermeintlich gibt es einen Ausweg: Den über Selfproduction- sprich Eigenverlag- sprich Selfpublishing, das sagt sich leichter als getan – fällt dann auch das gesamte Marketing auf die Musikerinnen zurück – zumal, und das gilt für alle künstlerische Arbeit, oder für die Bereiche, wo sich Anerkennung und Misserfolg die Hand reichen: Bekannt wird man weniger durch lautes Werben in eigener Sache, sondern durch wie zufälliges von Mund zu Mund wispern … es sei denn, du hast eine PR-Abteilung, die das für dich macht.

Nochmal. Auf die Gefahr hin, dass ich heute so schlau bin wie gestern – ich bin kein Verächter des Streamens per se, im Gegenteil, es bietet eine unglaubliche Fülle an Möglichkeiten: zu entdecken, zu testen, oder, aus Sicht der Musikerinnen: entdeckt zu werden, und ebenfalls zu experimentieren und auf sich aufmerksam zu machen – obwohl auch ein Zuviel an Möglichkeiten vieles wieder verbaut und unmöglich erscheinen lässt.

Quotierungen

Noch immer sind auch Radiostationen, Fernsehanstalten, Konzertveranstalter und Clubbesitzer maßgeblich daran beteiligt, so viele Künstler und Künstlerinnen irgend möglich „zu heben“ – im Umkehrschluss häufig auch „auszuhebeln“.

Wer nicht zufällig im Besitz eines Vertrags ist mit Vorschusszahlung oder Inhaber eines Lehrstuhls ist oder etwa im Genuss familiärer Unterstützung – hat es ungleich schwerer, entdeckt zu werden – die Vertriebswege sind nicht selten ein Buch mit sieben Siegeln und wer nicht bei „den Großen“ unterkommt, scheint chancenlos. Nicht zu unterschätzen ist: es sitzen viele mehr oder weniger allein mit Smartphone oder Laptop im Cafe oder im Park oder im Home-Office – nicht wenige pflegen einen eher „professionellen“ Blick gleich Klick auf die Angebote, der One-Click-Wonder-Effekt wird durch weiteres Hin- und Wegklicken häufig zum Erst-Klick-Entwerter, die Zeit, sich mit all dem auseinanderzusetzen, läuft allen davon, da scheint es für Avantgarde oder für Exotisches hoffnungslos zu spät.

Trotzdem, nichts folgt einem statischen Prinzip und nichts, was jetzt ist, scheint von Dauer, deswegen die innere  Ethikkommission zur Räson ruft, zum Innehalten. Zum Austarieren der Hin- und Wider: wer behandelt die, auf deren Basis ein Geschäftsmodell stattfindet, am besten? Durchaus eine moralische Frage.

Aus Verbrauchersicht kurz zum Vergleich:

Spotify – Positiv: ein enormer Pool, fast nichts, was es dort nicht gibt. Gute und leicht bedienbare Software. Ziemlich passgenaue Hörangebote in Neuerscheinungen und anderen Playlists. Negativ: Keine HiRes oder CD-Qualität, nur komprimierte Formate. Bezahlung der Musikererinnen im weniger attraktiven Bereich für Independent- und Jazzmusiker – im naturgemäß attraktiven Bereich für alles was Mainstream macht.

Deezer – Positiv: ebenfalls leicht bedienbare Software, ähnlich Spotify. Der Gedanke, nicht mehr auszuschütten nach Streaminghäufigkeit, sondern nach Hörervorliebe speziell auch für Independent und Jazz erscheint attraktiv für Musikerinnen. Wann das auch in Deutschland in Frage kommt – keine Ahnung. Negativ: In meiner Sparte bis zu 10 % weniger Musikerinnen als bei Spotify – Kein Mix von Abo mit CD-Qualität und Familie, jedem Familienmitglied müsste man jeweils CD-Qualität anmieten, das würde bei vier Köpfen teuer werden – Familie muss also mit komprimiertem Format leben. Oder nur Papa hört High-Qualität auf eigene Kosten, die anderen werden es schon nicht merken?

Die schon haben kriegen mehr, die nichts haben, gehen leer aus

Qobuz – Positiv: die Artikel pro Künstler sind informativ und journalistisch ansprechend – Die Auswahl für Jazz und Klassik ist gut bis sehr gut. Die Klangqualität unübertroffen.

Negativ. Softwareoberfläche wirkt schick, aber zäh. Das Preismodell eher verwirrend. HiRes, machen wir uns nichts vor, gibt es nur für ca. 10% der Aufnahmen, CD-Qualität reicht m.E. aus – hat nicht jeder ein absolutes Gehör.

Tidal. Positiv die Menge an gelisteten Titel. Hatte bei Deezer beim Überspielen der Playlists mehr als 10 % Ausfall oder Fehler – was auch an der Software tunemymusic gelegen haben mag – die Quote bei Tidal ist deutlich besser. Das Portal hat die Angebote sehr Rap und HipHop lastig, im Bereich Jazz kann ich nicht klagen. Im Gegenteil, es besticht die durchgängig gute Tonqualität. HiRes ist eher Ausnahmefall, sagte ich schon.

Negativ: Keine Community, du bist auf dich selbst gestellt (Stand 2018), die Playlists sind redaktionell. Die eigenen Playlists sollst du bei Facebook oder Twitter bekanntmachen – wollten wir nicht weg von den Monopolen? Negativ: Auf PC oder Laptop kann man keine Musik offline abspielen, nur auf Handheld und Smartphone – müsste nachgebessert werden. Das Verschieben von Akteuren innerhalb der Playlist geht nur über mehrfaches Absetzen. (PC-Version)

Ausgerechnet in der Musikbranche ein so unsolidarisches Verhalten

Initiative für ein neues Vergütungsmodell: https://www.deutschlandfunkkultur.de/tantiemen-im-streamingmarkt-initiative-fuer-ein-neues.2177.de.html?dram:article_id=458982

grafik_musik_streaming_wer_zahlt_am_besten

(veraltet, aber in der Tendenz noch immer richtig. Am Rand: Xbox-Music gibt es nicht mehr.)

Stiftung Warentest: https://www.test.de/Musik-Streaming-Ein-Aussenseiter-schlaegt-Spotify-und-Co-5059583-5059597/

Sven Regener: https://www.deutschlandfunk.de/sven-regener-streaming-dienste-sind-ein-ein-euro-shop-der.807.de.html?dram:article_id=298379

Exot oder Zukunft?https://resonate.is/

Sueddeutsche – Streaming: Die Macht der Liste

TAZ – Im digitalen Ramschladen Ohne Spotify, Apple Music & Co. geht nichts, aber Musiker profitieren kaum davon

Deutschlandfunk – Musik wie ein Sofakissen Streamingdienste verändern nicht nur die Art, wie Hörer Musik konsumieren

Deutschlandfunkkultur – Kann man verantwortungsvoll Spotify hören?

SWR – Spotify, Deezer & Co: Warum die Vergütung für Musikstreaming verbessert werden muss

bonedo – Musikstreaming – sind Spotify & Co. fair für Künstler?

Pitchfork: How to Be a Responsible Music Fan in the Age of Streaming

Die ZEIT: Haste mal nen Cent für die armen Künstler?

Und klar … die herkömmlichen Vertriebswege gibt es auch … von der CD, der LP zum handfesten Download … was spricht dagegen, Einkäufe steuerlich geltend zu machen – warum nicht – ?! (Link wird eingebaut, sobald ich etwas finde)

Was in diesem Artikel zu kurz kommt, ist die Rolle von Bandcampund wenn man wirklich an der Vergütung der Musiker und Musikerinnen interessiert ist, scheint das derzeit die unangefochtene und bestmögliche Alternative. Sehr gute redaktionelle Begleitung, im Zuge der Pandemie auch einmal monatlich Freitags die Komplettausschüttung aller Einnahmen an die jeweiligen Künstler und Künstlerinnen –

Die Anbieter Soundcloud oder AppleMusic, Amazon Music Unlimited oder Youtube bleiben in diesem Artikel unberücksichtigt – da ich keine Erfahrungen mit ihnen vorweisen kann.

Update 2021 August:

Deezer scheint noch immer mit Labels und Rechteinhabern zu verhandeln, Musiker schließen sich zusammen und fordern faire Ausschüttung: Fans sollen ihre Künstlerinnen mittels Kauf von CD und Merkandisingprodukte unterstützen.

Frage: wo bleiben die Verbände (http://www.miz.org/institutionen/verbaende-vereinigungen-gesellschaften-s2) ? Die Politik? (Die wirtschaftsnahen Sichten bei der FAZ – die Sichten von Anbieter und Labels hier von 2016 – die Sichten für Verbraucherinnen.) Kaum Antworten und so bleibt es beim Napstern und quasi Umsonsthören – beim Scherz: wenn ich als Einzelner monatlich 50 bis 100 Euro in die Hand nehme zur Spende für mir Liebgewordene, wären das 1200 im Jahr – bedeutet: noch immer ein Hungerlohn. Die Lösung auf die einzelnen Konsumentinnen abzuwälzen, trägt eben nicht – solange der Big Deal über nicht alimentiertes Börsenkapital rücksichtsfrei Eigenkapital-Akkumulation betreibt.

Gegenbeispiel: hätte ich all das Geld, das ich in CDs, Langspielplatten Dvds und Bücher investiert habe, in Aktien von Big Five gesteckt, ich wäre heute Millionär und könnte ein eigenes Label gründen mit eigenem Streaming-Angebot – selbstredend mit Ökostrom betrieben und CO2 neutral. Weblinks:

Rolling Stone Deutschlandfunk Finanzen Basicthinking Backstage

Gerne verlinke ich auch auf meine Berlin Abteilung A-Z. Eine alphabetische Aufstellung vieler Musikerinnen und Musiker aus Berlin. Sicher nicht vollständig, ein Anfang aber ist gemacht.

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