Nils Petter Molvaer
Khmer – Live in Bergen
Back to the Beats
veröffentlicht am 12. September 2025
Nils Petter Molvær: trumpet
Eivind Aarset: guitar and electronics
Jan Bang: live sampling
Pål «Strangefruit» Nyhus: dj, mpc programming
Audun Erlien: bass
Per Lindvall: drums
Rune Arnesen: drums, percussion
Music composed by Nils Petter Molvaer
Produced by Jan Bang,Sven Persson and Nils Petter Molvær
Executive producer Dave Stapleton
Recording and sound engineering by Sven Persson
Recording engineering by Tom Svensberget
Recorded live in concert May 25, 2024 at Nattjazz, Bergen

von Nils Petter Molvær
Fan zu sein von etwas heißt vor allem befangen sein und gefangen. Vor der eigenen Vorstellung zur Interpretation dessen, so lässt sich sagen, stehen häufig eigenes Erleben und Erfahrung, nicht selten stehen diese sich selbst auf dem Fuß oder im Weg, und wenn es in meinem Leben zwei Musiker gibt, die stark an der eigenen Wahrnehmungsschraube von Jazz gedreht haben, so zählt Nils Petter Molvaer unbedingt dazu. In den Neunzigern, da in Berlin alles von Drum n Bass und Techno redete und selten von Hasall oder [?! – such es dir aus] kam Nils Petter Molvaer mit seiner inzwischen legendären Aufnahme Khmer bei ECM heraus, ein Meilenstein im Sound Cluster mit cooler Trompetenelektronik. Sie konnten damals von morgens bis abends quasi für ewig und so weiter spielen, im immer gleichen Drive und der immer gleichen treibenden Bassdrum.
Nun spielen sie fast dreißig Jahre später in dieser Khmer Konstellation : von damals dabei sind Eivind Arset an der Gitarre, Rune Arnesen an den Drums und Nils Petter Molvaer an der Trompete, und um es gleich zu sagen: da löst sich die Befangenheit in Wohlgefallen auf und alles ist wie es schon damals war: grandios. Ein Album der besseren Sorte von Molvaer, von Anfang bis Ende ein gewaltiger Marsch durch die eigene Biografie, dreißig Jahre von Gestern bis Heute, und jedes Stück so groß wie das andere. Das schüttelt richtig. Und wenn du weißt, wie cool sie das abliefern, umso mehr.
Nun kannst du mit Recht oder zu Unrecht oder mit einem Schulterzucken zur Kenntnis nehmen: einem Fan darfst du alles hinwerfen, er nimmt es so oder so auf, und wenn es mal durchhängt, so verzeiht er es gerne, nun. Vergiss das mit dem Fan. Diese Aufnahme hängt nicht durch, sie macht hüftschwere Leute munter, sie saugt am inneren Ohr, sie gibt denen, die schon damals mehr hin- als hergerissen waren, den Gedanken zurück: es geht nichts über eine eingespielte Band. Es geht nichts über Musik, an der gefeilt und weitergeschrieben wird, es gibt nichts Besseres als im Dunkellicht der Halle zu stehen, sie dort vorne arbeiten zu sehen und alles, was rüberwächst, hat Volumen, ist Volumen, ist der Hammer, von dem du weißt, dass er mit dem Nagel in der Wand verschwand.
Wohltuend bekannt und gleich auch wohltuend anders – der Einstieg mit Song of Sand wird gemächlich vom Bass vorangeschoben und gibt auch das Tempo der gesamten Aufnahme vor, es folgt eine der vielen Wiedererkennungsmelodien mit typischem Klangraum, der scharf von Aarset aufgerissen wird. Klar wird auch: Der Sound ist nicht einfach nur ein Erinnerungsstück an vergangene Tage – er bekommt hier und da einen anderen Schliff, Platonic Years verwandelt sich regelrecht in ein aufwühlendes Drama, das von Kakonita eingefangen und ausgebremst wird, um in Ligotage wieder in einen Rausch von Pulsierendem hier und auf die Ferne Verweisendes dort übergeht.
Es folgen die Molvaer Evergreens Vilderness, Solid Either und On Stream – und wer sich an Tløn über die Jahre noch nicht satt gehört hat, bekommt einen weiteren Hinweis auf Molvaers Arbeitsweise um Räumlichkeit und Atmosphäre, Dichte und Dynamik und seinem sich von Innen nach Außen öffnenden Drive wie Druck. Du weißt nicht, welches der Stücke und Segmente du den Vorzug geben sollst, nach allem, was die letzten dreißig Jahre geschehen ist, haben sie hier und jetzt mit Live in Bergen einen herausragenden Zusammenschnitt ihrer besten und überzeugendsten Momente zusammengetragen, eine Aufnahme, die den Herzschlag von Tløn bis heute mit Leben füllt.
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