Stefano Bollani Joy in Spite of Everything

Stefano Bollani Joy in Spite of Everything

Dieser Artikel verschwindet ebenso regelmäßig aus dem Index der Suchmaschinen, erschließt sich mir nicht. Zeigt wie sie es so handhaben mit ihrer Macht. Genauso explosiv und eruptiv wie das Album – insofern, als es sie nicht kümmert, aber eine so kleine Website wie diese regelmäßig wegfegt. Tut dem Album allerdings überhaupt keinen Abbruch, eins meiner absoluten Favoriten, noch immer. Stand 2025. Text lasse ich drin, weiter südlich, ziehe nach vorn: den Text der AI:

Hier meine überarbeitete Rezension zu Joy in Spite of Everything (2014) von Stefano Bollani, veröffentlicht auf ECM (ECM 2360) (ecmrecords.com):

Besetzung & Aufnahme

  • Stefano Bollani (Piano) bildet mit seinem bewährten Trioflußpartnern Jesper Bodilsen (Bass) und Morten Lund (Drums) das Fundament.
  • Ergänzt wird das Quintett durch die beiden US-ECM-Gäste Bill Frisell (Gitarre) und Mark Turner (Tenorsax).
  • Eingespielt im Juni 2013 in den Avatar Studios, NYC; produziert von Manfred Eicher (ecmreviews.com).

Musikalischer Eindruck

  • Der Titel steht für Unerschütterlichkeit: eine Leichtigkeit trotz allem, getragen von Fröhlichkeit, Tiefgang und Klangempfindlichkeit.
  • Erstmals auf dem Album: Bollani kombiniert Duo-, Trio-, Quartett- und Quintett-Formationen, was für spannende Klangchemie sorgt (allaboutjazz.com).

Wichtige Tracks & Stil

  • Easy Healing startet als lyrischer Calypso – fließend, federnd, mit warmem Duett zwischen Piano und Gitarre, und Turner als sanftem Sax-Gegenspieler.
  • No Pope No Party klingt Monk-ähnlich, mit dissonantem Swing und rhythmischer Pointiertheit (allaboutjazz.com).
  • Las Hortensias und vor allem Vale bieten tiefe, rubato-getränkte Momente – Turner brilliert mit introspektivem, farbigem Spiel.
  • Die Duo-Perlen Teddy (Piano/Gitarre) und Ismene glänzen durch feinfühlige Interaktion, Rücksicht auf Raum und Klang.
  • Mit Tales From the Time Loop und dem titelgebenden Track zeigen das Quintett und Trio ihr rhythmisches Zusammenspiel und kreative Spannungsbögen.

Solistische Highlights

  • Bill Frisell überzeugt durch reduzierte, melodische Zurückhaltung, besonders klangfarblich im Duo mit Bollani (jazzthing.de).
  • Mark Turner liefert introspektive Höhepunkte in Las Hortensias und Vale, sein Spiel ist präzise und emotional dicht (ecmreviews.com).
  • Die Rhythmusgruppe agiert organisch, bringt Ruhe und Energie und verankert die Klangbalance zuverlässig .

Kritikerstimmen

  • The Guardian: warmly expressive … a warmly expressive encounter … beboppish No Pope No Party is like a Monk tune … (theguardian.com)
  • All About Jazz: lobt die variantenreiche Instrumentalkonstellation und hebt Easy Healing sowie No Pope No Party als Glanzstücke hervor.
  • ECM Reviews: beschreibt das Album als Ad‑hoc‑Kongregation, die trotzdem mit Chemie und Finesse überzeugt.
  • Jazz thing: bemerkt die tiefenentspannte wie intensive Atmosphäre und Frisbells reduzierte Herangehensweise (jazzthing.de).
  • JazzTimes: kritisiert hin und wieder das Fehlen von Spannung und Dunkelheit, sieht aber im Duett Teddy die schärfsten Züge (jazztimes.com).

Gesamtfazit

  • Stil: Ein poetisches, farbenreiches Zusammenspiel, das zwischen verspielter Leichtigkeit und Ruhe changiert – ECM-typisch mit viel Raum und Klangdynamik.
  • Ensemble: Überzeugt durch flexible, empfindsame Interaktion in ständig wechselnder Besetzung.
  • Spiel: Bollani zeigt sich virtuos, einfallsreich und wortwitzig; Frisell und Turner tragen mit Eigenständigkeit spannende Kontraste bei.
  • Für wen? Ideal für Hörer:innen, die jazzmusikalische Vielfalt, subtile Klangdetails und musikalische Gelassenheit schätzen.

Mark Turner (sax), Bill Frisell (g), Stefano Bollani (p), Jesper Bodilsen (b), Morten Lund (dr), Label: Ecm Records

Stefano Bollani Joy in Spite of Everything
Stefano Bollani Joy in Spite of Everything

Man kann schreiben, was man will über diese Platte, sie in Einzelteilen zu interpretieren versuchen, sie im Aufbau analysieren, sich über den Titel Ismene wundern, ich komme zu keinem anderen Ergebnis: Worte kommen gegen diese Aufnahme nicht an. Vielleicht ist: Easy Healing noch zu leicht und zu lang und zu verspielt – man kennt ja die Platte anfänglich noch nicht und will natürlich wissen, was einen erwartet. Ja, es kommt der Pabst, ohne den keine Party möglich ist, und wie. No Pope No Party. Ein fettes Stück – getrieben von Bass, Schlagzeug und Klavier – erst geht Mark Turner mit seinem Saxophon … bis Bill Frisell der anfänglichen Getriebenheit die Vorfahrt nimmt – und seinerseits getrieben wird – sich steigert – Bollani bleibt wunderbar zurückhaltend … bis das Stück aufs Klavier übergeht und wieder Fahrt aufnimmt – ein achtminütiges Erlebnis, um es mal so nüchtern wie möglich auszudrücken.

In Alobar e Kudra kommt dann das, was ich an Bollani besonders mag: Linien, Melodien, hier spürt man Dichte, kompositorisch wie emotional – auch auf gedämpften Sohlen – treibend folgt eine feine Melodie der nächsten, Oktavwanderungen folgen auf Bassgrummeln – viele Songs im Song – schön und intensiv.

Eine sehr dichte Stimmung und Atmosphäre – mit Blick aufs Cover: Diese Musik hat im Vergleich zu Eruption und Explosion – einen Vorteil: den akustischen Raum, in dem die Aufenthaltsqualität zu- und nicht abnimmt. Die beiden kleinen Figuren im Vordergrund, dort hinten die Explosion – sie schauen entsetzt, eingeschüchtert, sich tröstend, hin. In spite of … gibt Stefano Bollano dagegen, wie es im Klappentext heißt, sein lyrisch verlockendstes Statement ab.

Großartig!

Unbedingte Empfehlung : auch die Aufnahme O Que Sera, Piano und Gitarre um Duo – oder besser im Duett.

Referenzen: Allaboutjazz John Kelman | Jazzthing | Jazzviews | Website | Wikipedia

Recordings: I Visionari 2006 | Piano Solo (2006) | Stone in the Water (2009) | Orvieto Duo with Chick Corea (2011) | O Que Será 2013

Stefano Bollani Joy in Spite of Everything English Version

To say it right away. You can write what you want about this record, try to interpret it in parts, analyze it in the structure, wonder about the title Ismene, I come to no other conclusion: words do not come against these guys. Maybe: „Easy Healing“ is still too light and too long and too playful – because you don’t know the record at the beginning and of course you want to know what else awaits you. Yes, here comes the Pope, without whom no party is possible, and how. No Pope No Party. A fat piece – driven by bass, drums and piano – first Mark Turner goes with his saxophone … until Bill Frisell takes the right of way from the initial drivenness – and is now driven in turn – increases – Bollani remains wonderfully restrained … until the piece moves to the piano and picks up speed again – an eight-minute experience, to put it as soberly as possible.

In Alobar e Kudra then comes what I particularly like about Bollani: lines, melodies, here you feel density, compositionally as well as emotionally – as if on muffled soles – drivingly one fine melody follows the next, octave wanderings follow bass rumbling – many songs in a song – beautiful and intense.

A very dense mood and atmosphere – looking at the cover: this music has compared to Eruption and Explosion – an advantage: the acoustic space in which the quality of stay increases and not decreases. The two small figures in the foreground, back there the explosion – they look horrified, intimidated, comforting themselves. In spite of … Stefano Bollano, on the other hand, makes, as the blurb says, his most lyrically enticing statement.

Great!

Absolute recommendation : also the recording O Que Sera, piano and guitar around duo – or better in duet.

z French Horn *