John Hollenbeck – Evidence-based – The Claudia Quintet

John Hollenbeck Evidence-based – THE CLAUDIA QUINTET

2021 – Jazz Albums Review Canada

The Claudia Quintet is:
Chris Speed: clarinet/tenor sax
Red Wierenga: accordions, electronics (on fetus)
Matt Moran: vibraphone
Drew Gress: acoustic bass, electronics (on fetus)
John Hollenbeck: drums, percussion, electronics (on fetus), composition

Poems & Text from Eileen Myles

Design: karlssonwilker

released September 3, 2021

“But if thought corrupts language, language can also corrupt thought.” George Orwell, 1984

Wer die Macht über die Sprache hat, hat die Kontrolle, das ist, was wir aus Orwell herauslesen und verkennen aber, dass es nicht nur die Macht der Sprache ist, sondern auch die der Logik, der Arithmetik, der Wahrscheinlichkeit. Da wir einer Reizüberflutung und Informationsflut ausgesetzt sind, wird es immer schwieriger, aus all den Daten und Strömen und Informationen Essentielles herauszuhören oder zu filtern. Laut Website von Hollenbeck widmet sich das Claudia Quintet, gegründet 1997, mithilfe der Dichterin Eileen Myles diesem Phänomen.

Der Titel Evidence-based geht auf die Empörung zurück, die entstand, als die Trump-Regierung dem Centers for Desease Control and Prevention (zu deutsch: Zentrum für Krankheitskontrolle und -prävention – das ist die Bundesbehörde für Gesundheit der USA, vergleichbar mit dem Robert Koch Institut in Deutschland) 2017 untersagte, Begriffe wie evidence-based, transgender, entitlement, fetus, diversity, science-based und vulnerable zu verwenden. (Im Nachgang korrigiert, siehe Wiki.)

Sechs der sieben Begriffe sind nun Titelstücke des Albums John Hollenbeck Evidence-based Claudia Quintet.

Evidence-based selbst wird zur Reminiszenz auf Thelonious Monks Evidence, (glad to hear, so glad …) Fetus klingt wie das Blubbern und Schnorcheln eines Fötus im Mutterleib, elektronisch übertönt. Transgender ist nun the Opposite of Sex, which Opposite? It was a long long Time ago. (Hörst du die Ironie?) Entitlement ist nun das Anspruchsrecht auf ein kleines Haus über dem Fluss. Wie sich die Geschichte ausweiten lässt, ist gut nachzulesen auf Hollenbecks Website im evidence- and science-based Text von Jason Crane. (Gespickt mit ironischen Anspielungen)

John Hollenbeck, der auch in Berlin Hochschuldozent war von 2005-2016 und mit den Big Bands aus Frankfurt und Köln vertraut ist, legt hier ein sehr auf- wie anregendes Werk vor – er balanciert dabei zwischen Text gleich Sprache und Musik gleich Assoziation – und korrespondiert episch breit und variantenreich in seinen Akkordfolgen, Arrangements und weiß aber auch das, was erstmal „nur“ Sprachmaterial ist, zu wunderbaren Geschichten umzuarbeiten.

Ob das nun Transgender, Diversity oder auch das letzte Stück What ist the Name of this Piece ist, immer darfst du gespannt sein, wem du diesmal sprachlich wie musikalisch auf den Leim gegangen bist. Der Wahrheit etwa, oder doch nur einer Imagination um die Machtlosigkeit, wenn sie ohne Sprache bleibt oder ohne Text oder ohne Sound. Oder aussagelos. Sich aber anhört, als hätte man dir ein großes Schauspiel angeboten, du es darum missverstehst oder umdeutest.

In Sachen Jazz haben wir da mehr als eine Leseart.

The Claudia Quintet Live from JazzBaltica 2009 Thursday (holy)
John Hollenbeck Evidence-based
John Hollenbeck – „Falling Men“ from Shut Up And Dance – 2012 Grammy Award Nominee

The Claudia Quintett – Wikipedia | John Hollenbeck Website * John Hollenbeck Evidence-based * John Hollenbeck auf Wikipedia

 

Gerne verlinke ich auch auf meine Berlin Abteilung A-Z. Eine alphabetische Aufstellung vieler Musikerinnen und Musiker aus Berlin. Sicher nicht vollständig, ein Anfang aber ist gemacht.

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