German Jazz 2000s …
Die Zeit die Zeit die Zeit – der Milleniumswechsel und im Jazz gibt es außer ein paar M-Base Nummern noch immer keine Stilprägung, im Gegenteil: es wird bunt, wer will, macht, was will, Easy Listening, Drum n Bass, House-Music oder Technojazz, was sich gut verkaufen lässt, erklärt sich selbst, Neue Musik und Improvisationsmusik Jazz oder auch einfach: alles was von ACT kommt und Amazon Hitliste und es spült so mancher Weichspüler durch die Hirnwindungen, ich sehe mich im Saturn oder im Media Markt und die üblichen Verdächtigen sprechen mit mir, das sind die von ECM, von Blue Note oder die Polyphony von Polidor oder wie sie hießen, ich sehe Thomas Stankos Suspended Night und subsumiere es unter German Jazz, weil ECM in München seinen Hauptsitz hat und weil auf der Aufnahme dieses Hammerstück drauf ist Supended II – fortan auch der junge Pianist da aus der Schweiz, Colin Vallon, mit seinem eigenen Stil hervorsticht, ebenso das Alboran Trio, insbesondere Balkan Air von der Meltemi und Autumn Mist von der Near Gale – die Band stammt aus Italien, ist aber bei ACT unter Vertrag, und ACT sendet bekanntlich ebenfalls aus München …
was auch einschließt, dass ich das hörte, was mir entsprach und nicht, was ich hätte hören müssen, um up to date zu sein – das machten sie unter sich aus und blieben ihrer Absicht nah, Musik für Musiker zu spielen – das soll insbesondere in der deutlicher sich herausstellenden Echtzeit Szene der Fall gewesen sein, auch hier gilt: sprich lieber nicht darüber, sie könnten dich missverstehen, deine offene Art stößt so gesehen nicht etwa Türen auf, sondern schließt sie gleich wieder – lassen wir sie spielen, das Gute am Jazz ist: er setzt sich eh durch, wenn er gut ist und kann auch später noch gehört werden, du musst nicht immer hinter dem neuesten Schwanz her, an ihm hängt häufig ein Löwe, sowieso
– was gleich auch die Bequemlichkeit untermauert und so Dinge wie Quadro Nueva hinzuholt oder vergiss nicht die französischen Tourist von St. Germains oder was war da noch, war was? Was war denn? Die wievielte Radiohead im Vergleich zu : den so hippen Klaviertrios um Tingvall, Wollny oder Pablo Held herum – in Berlin soll ein Crash stattgefunden haben, der betraf einmal mehr das Jazzfest Berlin – nachzulesen in der TAZ, wieder feiert Brötzmann seinen Underground-Status in einem Alternativprogramm zum Jazzfest, während alles andere einer kontextfernen Ausrichtung des Programms folgt, der Leitungswechsel von Peter Schulze auf Nils Landgren steht an, man traue es Landgren aber nicht zu, er führte immerhin vier Jahre das Festival
– konfrontiert mit der ewig ermüdenden Frage, was ist Jazz, oder ist das noch Jazz, das bereitet einem so gesehen einen Kopfschmerz, aber keinen Spaß an der Musik, was schon verboten scheint in diesem Feldversuch vom Schattenboxen zwischen Spielstätten und Publikumsschwund – ich zog die Straßen runter mit meinen Pop-Jazz-Freunden … Musik darf nicht riechen wie Griebenschmalz und Schwarzbier, sondern schmecken wie frische Luft und es soll und darf auch mal leicht werden im Kopf wie im Herzen
– das aber ist der Mief und Kitsch im eigenen Gedankenraum, der sich zunehmend verengt, da man älter wird, spießiger, bürgerlicher und sesshafter und fleißiger und betriebsam – während der Underground so tut, als sei er irgendwo in der Unterwasserwelt unterwegs – cum ergo: das Klaviertrio feiert seinen Status als Klaviertrio und hört sich an wie ein Klaviertrio und deswegen gibt es immer mehr Klaviertrios – und wenn Freund Robert beteuert, das sei alles Kindergarten, wird es wohl Kindergarten sein
– er gab schließlich Jahre später zu, ebenfalls den E.S.T. verfallen zu sein. Jaja. Schlagwirbel an den Drums, quietschend wimmernder Bass mit Lauf plus Hammerschlag am Klavier und Zupfen und Ellenbogenhieb und darin rumzupfen in den Saiten und Gläser darin abstellen, dass es klirrt – alle Spielarten, selbst das Zerlegen eines Klaviers stand auf dem Programm im Club Hastenichtgesehen – hör sie mal gleichzeitig, so Robert, sie hören sich alle gleich an, spielen scheinbar die gleiche Tonart und jeder von denen muss immer so eine Melancholie-Attitüde verkörpern und traurig gucken wie Mama beim Abschied
– der Robert – auf seine letzten Tage dann auch E.S.T Fan – kannste mal sehen, gib nicht so viel auf das Geschwätz der Leute – reinster Promotion Gag, sagt er und geht mit mir ins Konzert von Medeski Martin & Woods – Hut ab .
Sowieso. Noch immer kommen sie aus Überseee und fliegen dahin wieder zurück – sowas von weit weg von der Emanzipation des German Jazz – nimm das nicht so ernst, sagt Robert, das sind Schlagzeilen, Slogans, Eye-Catcher, nicht viel dahinter – Sag mal: schon was von Quadro Nuevo gehört, das gefalle seiner Freundin herzlieblichst – da wusste er wieder mehr als ich – höre es mir an und denke, ja, nett, Folklore, Tango, hatten wir – kommen aber aus München, sagt Robert. Wo habt ihr das immer her, frage ich, wieso kriege ich davon nie etwas mit – echt jetzt. Ist doch nett, mit Rosa im Bett … Aua, Robert kannte auch sowas wie Blumfeld mit den coolen Texten
– alles spricht gegen mich, so war das schon immer … kannste mal sehen, wie weit die Geschmacksrichtungen sich gegenseitig versalzen, so divergieren und auseinanderdriften, nicht wahr?
Yes, Sir. Das war es schon mit der Vielfalt, alles andere stand in den Zeitungen und Magazinen – von den Echtzeitmusikern stand so weit ich weiß nichts in den Zeitungen, TIP und Zitty gab es noch – ja, die gab es. Ändert nichts daran, dass ich so gut wie keine Ahnung mehr hatte von nüscht – ich ich ich – arbeitete von morgens mittags bis abends in die Nacht tag für tag und hörte auch so Dinge wie Faithless – das aber hat nun keinen Kontext und sowieso _ was hat noch Kontext – nach unserem ersten gemeinsam erlebten Börsencrash – da so Firmen wie Achterbahn und Turbodyne unsere Geldtaschen leerten – und mal ehrlich: wenn ich die Playlists für die 2000er Jahre durchschaue _ kaum was Kontextnahes dabei, alles kontextfern aus den Usa. Hier gleich das nächste Pianotrio: Triosence – der ganze Rest und alles andere auch nannte sich inzwischen NUJazz oder Contemporary Jazz oder eben M-Base – kennst du eine deutschsprachige M-Base Band? Kennst du etwa keine M-Base Band aus D-Land? – na, dann such mal schön … bei dem Kulturangebot rund um die Uhr – kriegst du fast nichts mehr mit … so ist das halt, sagt Mara, die eigentlich Sarah hieß, aber Rosa genannt werden wollte. Daher auch der Spruch so nah so fern, in Rosas Sinn: was mir fern ist, ist mir das Liebste – wovon ich nichts weiß, kann ich mir vieles vorstellen, wenn du so willst: hier das nächste Piano, das aber hat es in sich, muss Robert zugeben – Nik Bärtsch heißt er und kommt aus der Schweiz. Yes. Das hat mich erwischt.
Zu den Social-Medias – nun, was soll man dazu sagen. In den frühen 2000er Jahren begegnetest du kaum Geständige, im Netz war niemand, Aktionäre waren sie fast alle – und da alles, was einmal StudiVZ oder Napster & Co oder Chatroom im AOL-Forum hieß, nach und nach von den Big Five abgeholt wurde, nun, die Folgen sollten erst Jahre später sichtbar werden. Das, was als demokratische Struktur einer Matrix angepriesen wurde, wuchs sich zum Feudal- und Oligarchen-System aus – beste Freunde dieser Neusprech Unordnung reden heute den Monopolen das Wort – mit Mikro und Kamera und Joint Venture in bester Breaking Bad (2008–2013) Manier – das bekommen sie inzwischen eiskalt übergeduscht – vonwegen: ein Zurück auf die Bäume gibt es nicht, aber einen offfenen Markt auch nicht mehr – die Rente ist schon aufgezehrt und für die eigenen Zähne gibt es keinen Ersatz, da kannst du mit dem Kopf wackeln und mit den Fingern knacken, im 11 Viertel Beat, wenn schon.
Festivals: Jazz Festival Willisau (*1975) | Moers Festival (*1972) | Leverkusener Jazztage (*1980) | Das Jazzfest Berlin (bis 1980 Berliner Jazztage) (*1964) | Jazzwerkstatt Peitz (*1969) 1982 wurde das Open-Air-Konzert verboten, gleichbedeutend mit dem Aus für die Jazzwerkstatt Peitz in der DDR, wiederbelebt seit 2011 | Elbjazz Hamburg (*2010) | Internationale Jazzwoche Burghausen (*1970) | Wiesen südlich Wiens (*1979) | Leipziger Jazztage (*1976) | Montreux Jazz Festival (*1967) | Jazzfest Saalfelden (*1978) | Total Music Meeting (*1968-2008 als Gegenfestival zu den Berliner Jazztagen) | Deutsches Jazzfestival Frankfurt (*1953) | Enjoy Jazz Rhein-Neckar-Region Heidelberg, Mannheim und Ludwigshafen am Rhein (*1999) | KLAENG Festival Köln (*1986)
Colin Vallon
(*1980), Pianist
Alboran Trio(*2005), Piano Trio
Michael Wollny
(* 1978), Piano
Triosence
(* 1999), Piano Trio
Nik Bärtsch
(*1971), Piano
Trio Elf – Walter Lang
(*1961-2021), Piano
Jörn Anders
(*1964-2022), Trompeter und Arrangeur
Sebastian Schunke
(*1973), Pianist und Jurist
Uwe Kropinski
(*1952), Guitar
Julia Hülsmann
(*1968), Piano
Michael Flügel
(*1970), Piano
Tomasz Stanko
(*1942-2018), Trompeter aus Polen
Tingvall Trio
(*2006), Piano Trio
Pablo Held
(*1986), Piano

von Pablo Held
Bendikt Jahnel
(*1986), Piano
Quadro Nuevo
(*1996), Band
Blumfeld
(*1990-2007), Band
Sophie Hunger
(*1983), Vocals, Guitar
Micatone
(*1999), Band
Lisa Bassenge
(*1974), Vocals

von Micatone
Lisette Spinnler
(*1976), Vocals
Joo Kraus
(*1966) Trumpet
Gaby Schenke Saxophone
Béatrice Kahl (*1972), Piano
Meinhard Obi Jenne
(*1970), Drums
Jan Eschke
(*1976), Piano
Esra Dalfidan
(*1975), Vocals
Pierre Favre
(*1937), Drums
Hans Koch
(*1948), Saxopone
Martin Schütz
(* 1954), Cello
Fredy Studer
(*1937), Drums

von KOCH-SCHÜTZ-STUDER plus DJ M. Sing and DJ I-Sound
Franck Tortiller
(*1963), Vibraphone. Auch MItglied des Vienna Art Orchestra
George Gruntz
(*1932-2013), Piano
Wolfgang Schlüter
(*1933-2018), Vibraphone
Wolfgang Muthspiel
(*1965), Guitar
Pit Baumgartner (*1958)
Turntables
De-Phazz
Max Nagl
(*1960), Saxophone
Thomas Alkier
(* 1965), drums
German Jazz 2000s
Labels : ACT (*1992) | Amiga (*1954-1994, seitdem vermarktet von BMG (jetzt Sony) | ECM (*1969) | Enja (*1971, seit 1986 zwei geteilt Enja-Records (Winckelmann) + Enja/yellowbird (Horst Weber/Werner Aldinger) | Free Music Production (1969) | GLM (*1988) | Herzog Records (*2006) | Intakt Records (*1986) | Jazzhaus Music (*1980) | Jazzhaus Records (*2005) | Jazzwerkstatt Berlin | Jazzwerkstatt Wien | Laika Records (*1989) | MOOD Records (*1977-2016) | MPS (*1968) | Pirouet Records (*2003) | Traumton Records (*1989) | Whyplayjazz (*2005) | Winter & Winter (*1995)
Zeitschriften: Jazz Thing (*1993) | JAZZTHETIK (*1987) | Jazz Podium (*1952) | Fono Forum (*1956) | SONIC saxy & brass (*2001) | Rondo (*1991) | Jazzzeitung (*1976-2014)
Messen: Jazzahead (*2006) | Bundeskonferenz Jazz (BK Jazz) (*2003) – aktuell: Bericht 2024 als PDF


































