Florian Arbenz Conversation 4

Florian Arbenz Conversation 4 from Switzerland, Cuba, France – FlorianArbenz.com

Florian Arbenz drums | Wikipedia
Maikel Vistel saxophone | Wikipedia
François Moutin bass. | Wikipedia

Thelonious Monk Bemsha Swing

Es geht fulminant los mit: Achtung festgeschnallt Thelonious Monk Bemsha Swing – mit trockenem Anschlag, pulsierendem Bass plus deutlicher Saxophonspitze – in dieser Monk-Erzählung. Ursprünglich ein dissonanter Ritt des Thelonious Monk Trios mit offenbar verstimmtem Klavier und wild trommelndem Max Roach am Schlagzeug aus dem Jahr 1952, nicht zu verwechseln mit der Aufnahme mit Sonny Rollins und Clark Terry aus 1957 – da klingt es fast schon handzahm – oder etwa der Aufnahme auf Prestige mit Miles Davis aus 1958 – dort ist es ein fast schon gefesselter Thelonious Monk, den man noch Akkorde anschlagen hört.

Er sich in dieser Big Band Formation um Jackson, Heath, Clarke, Coltrane Garland, Chambers und Joe Jones fast nichts mehr rausnimmt. Von seinem Ganztonleitern-Spiel und Sekunden-Gehämmere aus 1952 scheint er fast weg zu sein – tja. Unter Miles Davis eben. Du hast nur noch Andeutungen dessen auf Band.

Nimmst du nun die vier unterschiedlichen Aufführungen, kommst du zum Zwischenergebnis, dass die Interpretation von Florian Arbenz Conversation #4 dem Original aus 1952 sehr nahe kommt, nicht etwa in der Angleichung oder der Intonation, mehr in Impuls und Gestus. Faszinierend die Choreografie. Es gibt kein Klavier von Monk, das die Sekunden trommelt, sondern ein Saxophon von Vistel, das die Melodien führt und aufbricht.

Es gibt keinen Max Roach, der wild drauflos paraphrasiert, sondern einen Florian Arbenz, der das alles souverän durch den Parkour führt. Es gibt keinen Bassisten Gary Mapp, der im Nebenberuf Polizist war, sondern einen Francois Moutin, der Mathematik und Physik studierte und der dem Bemsha Swing noch einmal eigenen Drive gibt, ihm zusätzlich Druck verleiht. Insofern lassen sich das Original von 1952 und die Ausführung der Conversation #4 gut vergleichen und aufeinander zuspitzen.

Beide Versionen stehen für eine Bereitschaft, Konventionen aufzubrechen und Neues zu wagen.

Bemsha Swing by Thelonious Monk on ‚Thelonious Monk Trio‘ 1952
Thelonious Monk – Bemsha Swing 1957
Bemsha Swing – Miles Davis 1958
Florian Arbenz Conversation #4 2021

Pandemia: eine Eigenkomposition von Maikel Vistel

Freedom Jazz Dance – ist von Eddie Harris – eine Funkjazz Komposition aus 1965:

Ein Standard – und hunderte Möglichkeiten ihn umzusetzen. Florian Arbenz geht ihn in diesem Jahr schon das zweite Mal an. In der Auswahl des Zweitakt Vier-Taktes oder seiner durchweg in Achtelnoten geschriebenen zweitakt-viertakt-Phrase oder seiner 10taktigen Form mit 8taktig angehängter Bluesimprovisation (aus Wikipedia) – bleibst du gefangen im Groove und in einer trance-artigen Wolke – wenn du die alten Aufnahmen hörst und musst gestehen: was die drei hier in Conversation #4 daraus machen, haben wir so noch nicht gehabt.

Es beginnt wie zurückgenommen verzögert und bekommt bald einen eigenen Impuls mit so kräftigem Zug, die bekannten Spielarten scheinen sich umzukehren, das Schlagzeug dreht die Geschichte auf den Kopf und übergibt an Bass und Saxophon – sie ziehen das in ihre eigene Erzählung. Bis auf die Spitze. Und Punkt.

Eddie Harris – Listen Here/Freedom Jazz Dance (Live at Montreux Jazz Festival 1969)
Eddie Jefferson 1974
Don Ellis 1967
Passport 1974
Miles Davis 1967
Ethnic Heritage Ensemble 1999
Miroslav Vitous – 1969
Florian Arbenz Conversation #4 2021

In der Folge: A Scooting Thrill – ist eine Eigenkomposition von François Moutin, Hackensack von Thelonious Monk, Scarlet Woman from Weather Report bzw. Joe Zawinul und Wayne Shorter, Closer – ist eine Eigenkomposition von Jorge Vistel (Trompet), der leider Corona-bedingt nicht mitspielen konnte. Last but not least Waltz for Debbie Bill Evans

Florian Arbenz Conversation #4 | #1 #2 #3 – Als Stammgast der Conversation-Reihe kann ich nur wünschen und darf ich allen ans Herz legen, sich mit der Arbeit von Florian Arbenz und seinen Mitstreitern länger und intensiver zu beschäftigen. Es eröffnen sich sämtliche Türen zwischen Tradition und Lust an der Entdeckung in ausgesprochen ansprechender und prägender Form und mehrfach gesagt: nach mehrmaligem Hören umso mehr.

Schön trocken, so knackig wie prägnant. Mit der Conversation Reihe erlaubt uns Florian Arbenz einen tieferen Blick in die Ursprünglichkeit und Transformationsfreude ideenreicher Musik und ist dabei erkennbar umtriebig und vielseitig. Ich bleibe gespannt und freue mich schon auf Conversation #5.

Hier entsteht eine ganz besondere Reihe !

THELONIOUS MONK – Hackensack 1965
Scarlet Woman, Weather Report alias Joe Zawinul Wayne Shorter
Bill Evans – Waltz For Debby

„Sound“ (Maikel Vistel) by Convergence 2019

Mit den besten Wünschen und Empfehlungen.

Florian Arbenz Conversation #4 | #1| #2 #3 | Interview with Florian Arbenz (auf Jazzreporter)

Florian Arbenz Conversation #4
Conversation #4 – Vulcanized
Conversation #1: Condensed
Conversation #2 & #3

Florian Arbenz in Action

Florian Arbenz Conversation #4 | #1 #2 #3 weitere Hörbeispiele.

Hackensack | Arbenz X Moutin X Vistel (Vulcanized) Conversation #4
Arbenz X Mehari / Veras | Freedom Jazz Dance (2021) Conversation #1
Arbenz X Hart | Wooden Lines Single (Conversation #2)
Freedom Jazz Dance | Florian Arbenz introduces Conversation #2

Gerne verlinke ich auch auf meine Berlin Abteilung A-Z. Eine alphabetische Aufstellung vieler Musikerinnen und Musiker aus Berlin. Sicher nicht vollständig, ein Anfang aber ist gemacht.

Clemens Verhooven

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