Eran Har Even Shorter Days

Eran Har Even Shorter Days

Eran Har Even Shorter Days

Eran Har Even Shorter Days

Release 18.01.2024

Eran Har Even – guitar
Omer Govreen – bass
Wouter Kühne – drums

eranhareven.com

“In den letzten drei Jahren hat mich ein tiefes Verlangen dazu gebracht, mich auf eine Reise der Wiederentdeckung zu begeben, die tief in der zeitlosen Kunst von Wayne Shorter verwurzelt ist. Ich tauchte in die komplexen Kompositionen ein, die sein musikalisches Vermächtnis ausmachen, und erforschte gleichzeitig die Essenz seiner Ideologie und Lebensweise. Was dabei herauskam, war ein riesiges, grenzenloses Meer an Inspiration, nicht nur im Bereich der Musik, sondern auch als Mittel, um ein tieferes Verständnis meines eigenen Selbst zu erlangen” Eran Har Even

Eran Har Even Shorter Days
Eran Har Even Shorter Days

Ein Spruch: aus der Vergangenheit lernen ist der erste Schritt in die Zukunft … Es ist Mittwoch, die Termine knäulen sich, die Zeit wird zur Durchsatzmühle, du siehst und hörst: eine Gitarre, noch eine. Die eine besser als die andere: hatten wir: ein MC-Escher-Treppenwitz. Wo die eine besser ist als die andere, ist erstgenannte besser als letztgenannte, obwohl letztgenannte besser ist als erstgenannte … und nun sag zur Gitarre etwas Neues – seit Pat Metheny, seit John Abercrombie, seit Pat Martino, seit Jim Hall oder Bill Frisell oder John Scofield – die Platzhirsche der Szene sind zu Allgemeinplätzen der Gitarre geworden – und aber: es folgen neue und interessante Gitarristen wie Gitarristinnen

… zum Beispiel Gilard Hekselman oder Eran Har Evan – beide gebürtig aus Israel, beide außerhalb Israels aktiv, Gilad Hekselman in New York, Eran Har Evan in Amsterdam, beide sind Jahrgang 1983 und beide haben einen eigenen Bodysound – so nennen wir mal den bauchigen und wohligen wie weichen Gitarrensound – den sie dem Korpus ihrer Gitarren entlocken.

Beide haben schon zusammen gespielt. Beide haben sich mit hervorragenden Aufnahmen der Öffentlichkeit gestellt. Beide haben ihre Kritiker gefunden, die einen begeistert, die anderen … nun, wie kommt ein Kritiker dazu, an dieser ihrer Spielart kritische Noten auszuprobieren – was wir ahnen, ist: der Jazzkritiker als Gatekeeper glaubt an seine Weisungsbefugnis – wir wissen, dass all die Hochtalentierten durch mehr als eine Schule und Ausbildung gegangen sind. Wir bedauern, dass zwischen wohlwollendem Werbetext und kritischer Auseinandersetzung der Unterschied bei dem ist, der den größeren Namen trägt.

Wenn es hier vielleicht an klarer Linie fehlt (Hans-Jürgen Schaal zu World Citizen), dort aber von einer Wundertüte in Eran Har Evans Musik die Rede ist (Leon Paul zum Konzert von E.H.Even und Claire Parsons), so liegt die Wahrheit nicht etwa in der Mitte – vielmehr darf man E.H.Evan selbst befragen und erhält als Antwort: Die Welt ist eine Inspirationsquelle, die zur Selbsterkenntnis führt.

Das ist, was Kritiker- von Künstlertext unterscheidet: Für Kritiker scheint ein Werk einen in sich abgeschlossenen Prozess darzustellen, den man, zum Produkt geworden, nach Belieben unter den Gesichtspunkten der Selbst- wie Reflexionswahrnehmung auseinander und wieder zusammenbauen kann – für Künstler bleibt die eigene Arbeit im Prozess, manchmal wegweisend, manchmal eröffnend, manchmal auch erinnernd um die Möglichkeiten herum, die sich bei jeder weiteren Aufnahme ergeben.

World Citzien und In Geometry (die Wundertüte mit Claire Parsons – ebenfalls auf Jazzthing einsehbar) stammen aus dem Jahr 2020, beide Aufnahmen führen auf sehr unterschiedliche Spielwiesen. Eine Gitarre, zwei Stimmen. Eine klassische Jazzaufnahme die eine (World Citizen), eine Jazz-Pop-Aufnahme die andere (In Geometry). Beide haben sie raffinierte Sets und clevere wie gefällige Kompositionen.

In Shorter Days begibt sich E.H.Evan auf die Wiederentdeckung, ja Wiedererkennung von Wayne Shorter und und erforscht gleichzeitig die Essenz seiner Ideologie und Lebensweise. Pate stehen dabei Nefertiti (bekannt als Miles Davis Aufnahme 1968) und Dance Cadaverous (vom Album Speak No Evil 1966), Capricorn (vom Album Super Nova 1969) plus die weniger bekannten Nightdreamer (vom Album Nightdreamer) 1964 und Big Push wie Lost (vom ominösen Album The Soothsayer von 1965 – ein selbst von Blue Note vergessenes Album, das erst 1979 zum ersten Mal erschien bei einem japanischen Blue Note Ableger und noch einmal als CD 1990)

Im PR Text heißt es: Das Ergebnis ist eine Sammlung kreativer Bearbeitungen und neuer Arrangements, die Shorters Vielseitigkeit aufgreifen und diesem wichtigen Teil des Jazz-Erbes vorsichtig, spielerisch und gekonnt seinen Stempel aufdrücken.

Was kann ich dem hinzufügen – außer: dass mich die Aufnahme von vorne bis hinten, von gestern nach heute und wie im MC.Escher Witz wieder von unten nach oben aufsteigend oder von heute nach gestern absteigend oben wie unten ankommen lässt, damit ich sie noch einmal höre – und zu studieren beginne: seine Wayne Shorter Adaptionen, seine rhythmischen Gewichtungen, seine melodische Vielfalt, seine schwebenden Übergänge, die wie selbstlaufenden Arpeggios genauso wie die auf- wie anregenden Akkordwechsel – das lässt mich zu dem Schluss kommen: zwischen wohlwollender Annäherung und kritischer Betrachtung entsteht ein umfänglicher Sound mit Raum und Farbe und Architektur, da darf nicht unerwähnt bleiben, wie unauffällig, aber feinsinnig Omer Govreen am Bass und Wouter Kühne an den Drums mitwirken.

Dem ist außerdem hinzufügen: Eran Har Even ist mit Shorter Days ein rundherum intensives wie aufschluss- und abwechslungsreiches Album geglückt, was gleich auch belegt, dass er nicht nur clever oder gefällig zu komponieren weiß, vielmehr nähert er sich dem musikalischen Vermächtnis Wayne Shorters mit klarer und ausdruckstarker Spielweise, so entwächst dem Spruch: aus der Vergangenheit lernen ist der erste Schritt in die Zukunft eine Essenz: in der Auseinandersetzung mit Überbrachtem und Erinnerbarem entsteht eine Herausforderung, aus dem Kontext heraus ergibt sich nicht nur ein gestern heute morgen, nicht nur ein oben unten hinten vorne, aus dem Kontext heraus ergibt sich die eigene Erzählung, die Erfahrung, das Erleben, das Erinnern und der Wechsel der Geschichte. Jedes Stück weitet den Horizont und will in sich aufgespürt werden und in seiner Tiefe gelesen.

Das hat Eran Har Even mit Wayne Shorter versucht und ist über seine Interpretationen zu einem eigenen Ausdruck vorgedrungen, das nennt man glückliche Fügung, glaube ich. Ein wunderbares Album. Punkt.

Eran Har Even (geboren am 22. April 1983) ist ein für den Edison-Preis nominierter israelischer Gitarrist, Komponist und Musikpädagoge, der in Amsterdam lebt. Im Jahr 2012 schloss Eran Har Even sowohl seinen Bachelor- als auch seinen Master-Abschluss am Konservatorium von Amsterdam ab. Er ist eine der aktivsten Persönlichkeiten der niederländischen Jazzszene, die mit einigen der besten Jazzmusiker der lokalen und internationalen Szene aufnimmt und auftritt. Dazu gehören bekannte Musiker wie Benny Golson, Terell Staford, David Friedman, Harmen Fraanje, Jamal Thomas, Joris Roelofs und Gilad Hekselman, um nur einige zu nennen.

El Toro
Eran Har Even, Omer Govreen, Wouter Kühne
Eran Har Even Shorter Days
Eran Har Even, Omer Govreen, Wouter Kühne
World Citizen
Eran Har Even
World Citizen
Eran Har Even

English Version

“Over the last three years, a profound desire compelled me to embark on a journey of rediscovery, one deeply rooted in the timeless artistry of Wayne Shorter. Immersed in the intricate compositions that comprise his musical legacy, I found myself simultaneously delving into the very essence of his ideology and way of life. What emerged was a vast, boundless sea of inspiration, not only in the realm of music but also as a means to unearth a deeper understanding of my own self” Eran Har Even

A saying: learning from the past is the first step towards the future … It’s Wednesday, the appointments are piling up, time is becoming a run of the mill, you see and hear: a guitar, another one. One better than the other: we had an MC Escher staircase joke. Where one is better than the other, the former is better than the latter, although the latter is better than the former … and now say something new about the guitar – since Pat Metheny, since John Abercrombie, since Pat Martino, since Jim Hall or Bill Frisell or John Scofield – the top of the scene have become commonplaces of the guitar – and yet: new and interesting guitarists and guitarists follow …

… for example Gilard Hekselman or Eran Har Evan – both born in Israel, both active outside Israel, Gilad Hekselman in New York, Eran Har Evan in Amsterdam, both born in 1983 and both have their own body sound – let’s call it the bulbous, cosy and soft guitar sound – which they elicit from the body of their guitars.

Both have already played together. Both have presented themselves to the public with outstanding recordings. Both have found their critics, some enthusiastic, others … Well, how does a critic come to try out critical notes on their playing style – what we suspect is that the jazz critic as gatekeeper believes in his authority – we know that all the highly talented musicians have gone through more than one school and training programme. We regret that the difference between a favourable advertising text and a critical discussion lies with the person with the bigger name.

If there is perhaps a lack of a clear line here (Hans-Jürgen Schaal on World Citizen), but there is talk of a grab bag in Eran Har Evan’s music (Leon Paul on the concert by E.H.Even and Claire Parsons), then the truth does not lie in the middle – rather, one may ask E.H.Evan himself and receive the answer: The world is a source of inspiration that leads to self-knowledge.

This is what distinguishes a critic’s text from an artist’s text: For critics, a work seems to represent a self-contained process which, having become a product, can be disassembled and reassembled at will from the point of view of self-perception and reflection – for artists, their own work remains in process, sometimes pointing the way, sometimes opening up, sometimes reminding us of the possibilities that arise with each subsequent recording.

World Citzien and In Geometry (the grab bag with Claire Parsons also available on Jazzthing) date from 2020, and both recordings take you to very different playgrounds. One guitar, two voices. One a classic jazz recording (World Citizen), the other a jazz-pop recording (In Geometry). Both have sophisticated sets and clever and pleasing compositions.

In Shorter Days, E.H.Evan sets out to rediscover and even recognise Wayne Shorter, while exploring the essence of his ideology and way of life. The inspiration for this is Nefertiti (known as a Miles Davis recording 1968) and Dance Cadaverous (from the album Speak No Evil 1966), Capricorn (from the album Super Nova 1969) plus the lesser known Nightdreamer (from the album Nightdreamer) 1964 and Big Push like Lost (from the ominous album The Soothsayer from 1965 – an album forgotten even by Blue Note, which only appeared for the first time in 1979 on a Japanese Blue Note offshoot and again as a CD in 1990)

The PR text says: “The result is a collection of creative adaptations and new arrangements that embrace Shorter’s swinging versatility while carefully, playfully, and skillfully leaving his fingerprints on this vital part of jazz heritage.”

What can I add to this – except that the recording takes me from front to back, from yesterday to today and, as in the MC. Escher’s joke, the recording makes me arrive at the top and bottom again, ascending from bottom to top or descending from today to yesterday, so that I can listen to it again – and begin to study it: its Wayne Shorter adaptations, its rhythmic weightings, its melodic variety, its floating transitions, the arpeggios that seem to run themselves as well as the upbeat and stimulating chord changes – that leads me to the conclusion: between benevolent approach and critical observation, a comprehensive sound with space and colour and architecture emerges, and it should not go unmentioned how unobtrusively but subtly Omer Govreen on bass and Wouter Kühne on drums contribute.

It should also be added: With Shorter Days, Eran Har Even has succeeded in creating an all-round intense, insightful and varied album, which also proves that he not only knows how to compose cleverly or pleasingly, but also approaches Wayne Shorter’s musical legacy with a clear and expressive way of playing, as the saying goes: learning from the past is the first step into the future: in the confrontation with what has been passed on and what can be remembered, a challenge arises, out of the context there is not just a yesterday today tomorrow, not just a top bottom back front, out of the context arises one’s own narrative, the experience, the remembering and the change of history. Each piece broadens the horizon and wants to be traced and read in its depth.

This is what Eran Har Even tried to do with Wayne Shorter and his interpretations led him to his own expression, which I believe is called serendipity. A wonderful album. Full stop.

Eran Har Even (born on April 22, 1983) is an Edison nominated Israeli guitarist, composer and music educator residing in Amsterdam. In 2012 Eran completed both his Bachelors and Masters degrees at the Conservatory of Amsterdam. He is one of the most active figures of the Dutch jazz scene, recording and performing with some of the finest jazz musicians on the local and international circuits. These include prominent musicians such as Benny Golson, Terell Staford, David Friedman, Harmen Fraanje, Jamal Thomas, Joris Roelofs and Gilad Hekselman, to name a few.