Best of Jazz 2025

Virtuos, reflektiert, folgenlos: Jazz im Jahr der globalen Zumutungen

Aus der Ferne betrachtet war 2025 ein gutes Jahr für den Jazz. Die Zahl hochklassiger Veröffentlichungen ist beachtlich, stilistisch zeigt sich das Feld so offen wie selten: avancierte Improvisationsmusik aus New York, elegante Produktionen aus Europa mit einer vitalen britischen Szene zwischen Groove, Elektronik und Kammerjazz sowie eine selbstbewusste deutsche Landschaft von Bigband bis Avantgarde. Und doch entstehen – bei aller musikalischen Qualität – Fragen.

Europa als kreatives Zentrum

Auffällig ist zunächst die Verschiebung der Gewichte. Während der US-amerikanische Jazz sich offenbar in traditionsbewusstem Habitus gefällt und sicherlich höchst virtuosen Jazz hervorbringt, aber doch sehr häufig im Kaffeehaus zu sitzen scheint und es schwer wird, die Unterschiede zwischen Cool, Hard oder Bebop ausfindig zu machen, das Experiment noch immer in New York angesiedelt zu sein scheint, während sich der Trumpismus breitmacht als Konservatismus im Sinn des Konservierens – obwohl ausgerechnet der Trumpismus die Unverschämtheit und lose Lippe vorlebt, die auch dem Jazz nachgesagt wird, oder noch plakativer: einer rebellischen Art wie in den Siebzigern mit Jimi Hendrix, Janis Joplin oder John Mayall folgt, auf den Jazz übertragen: Nicht Taylor Swift sondern Cecil Taylor könnte Maßstab sein.

Da behauptet manch einer nun auch: das ästhetische Schwergewicht liege in Europa, und kann diese These aber schwer untermauern, wo nämlich behauptet wird, der europäische Jazz wirke oft reflektierter und weniger auf Virtuosität als auf Haltung und Form konzentriert, wird im Detail und in der Tiefe der Sache erkennbar, dass dem nur oberflächlich so ist, vieles von dem, was nämlich Antwort zu sein scheint auf gesellschaftliche Fragen, stellt sich heraus als technische Finesse oder raffiniertes Understatement oder als Folge des eigenen Geschäftsmodells. Auf der Straße angesprochen, antwortete mir Alexander von Schlippenbach: diese Zeiten sind eigentlich die besten Zeiten für den Jazz. Das adjektiv eigentlich sagt es schon: im Kern unserer Zeit wäre der Jazz weit vorn, trotzdem scheint ihn etwas zu bremsen, zu stoppen, ihn sich selbst zu überlassen.

Auch kann man nicht mehr von einem Zentrum des Jazz sprechen oder von einer rein amerikanischen Disziplin, oder etwa von der europäischen Jazzemanzipation, das eine bedingt jedoch das andere und die Frage nach der Widerständigkeit des Jazz stellt sich von Neuem. Gibt es eine Qualität im Jazz, wenn sie reibungslos sein will, oder ruft erst Qualitatives Reibung hervor? Wie lassen sich die unterschiedlichen Projekte von Mary Halvorson, Julia Hülsmann, Nels Cline oder Wolfgang Muthspiel und James Brandon Lewis oder Silke Eberhard kontextualisieren, wo sie doch jede für sich sprechen und stehen – wer spricht noch von Referenzen und ihren Modellen, wer von Klangkultur oder Komposition oder gar von einer kollektiven Intelligenz – das paraphrasiert sich von selbst. Sobald die Namen sich aus dem Kontext herausbewegen und ihren eigenen Klartext sprechen.

Den Kreis etwas enger gefasst, kommen wir auf die deutsche Jazzszene zu sprechen, die noch immer mehr oder weniger zwei urbane Magnetfelder zu haben scheint, Köln und Berlin, hier und da meldet sich Hamburg, dann wird es Burghausen oder Schaffhausen oder Moers und Peitz – wie du es auch drehst und wendest, es kommen bald die Verwandten und Bekannten, schon hörst du sie von ihren Communities schwärmen – in Moabit oder in Stuttgart, in Leipzig, in Neukölln. Das Provinzielle zu überwinden heißt, es schätzen zu lernen, schon siehst du sie nie wieder. Kommt das nächste BigBand Projekt, schon haben wir es mit der Antwort auf die Frage des zu Speziellen oder Intellektuellen oder Differenzierten: die Reprovinzialisierung oder Rekollektivierung stehen sich gegenüber wie Freejazz zu traditionellem Jazz – die Frage entsteht:

War das schon alles?

So überzeugend viele Alben klingen – sie bleiben nicht selten unpolitisch, das Politische selbst wird oft abgetan als du weißt ja was los istdu bist doch informiertdazu kann und will man nichts mehr sagen – und und und – aber gerade dazu müsste man was sagen: im existenziellen Sinn. In einem Jahr, in dem der Krieg in der Ukraine weiter eskaliert, die USA innenpolitisch wie gesellschaftlich tief gespalten sind und der Nahostkonflikt weltweit polarisiert, wirkt ein Großteil der Jazzproduktionen wie ästhetisch abgeschirmt.

Historisch war Jazz immer mehr als nur Klang: eine Musik der Positionierung, des Widerstands, der sozialen Realität. Von Charles Mingus bis Max Roach, von Carla Bley bis zum AACM – Jazz war selten neutral. Umso auffälliger ist 2025 das Fehlen klarer musikalischer Stimmen, die sich hörbar, riskofreudig, auch unbequem zu den globalen Verwerfungen verhalten.

Moralische Lautstärke – musikalische Stille.

Zwar äußern sich einzelne Künstlerinnen und Künstler verbal oder in Begleittexten, besonders aus dem kritischen Spektrum, oft mit scharfer Wortwahl gegen Israel – teils bis hin zu problematischen, stark vereinfachenden Genozid-Narrativen. Selbstkritik bleibt dabei selbstredend ohne Ausdruck. Auch musikalisch bleibt davon erstaunlich wenig übrig. Protest findet in Statements statt, selten in der Musik selbst. Klanglich bleibt vieles abstrakt, symbolisch, ausweichend.

Die wenigen explizit politischen Ansätze – etwa aus der New Yorker Avantgarde – wirken dabei wie von der Insel: ästhetisch interessant, aber sozial kaum anschlussfähig. Ein bisschen Noise, ein bisschen Free Jazz, ein bisschen Dekonstruktion – das allein reicht nicht mehr aus, um reale politische Dringlichkeit abzubilden.

Jazz zwischen Komfortzone und Verantwortung

Vielleicht liegt genau hier die Leerstelle des Jazzjahres 2025: Nicht im Mangel an Qualität, sondern im Mangel an Risiko. Viele Produktionen sind brillant, durchdacht, perfekt produziert – aber sie vermeiden Konfrontation. Der Jazz scheint sich zunehmend in einer komfortablen kulturellen Nische eingerichtet zu haben, besonders in Europa, wo institutionelle Absicherung auch ästhetische Vorsicht begünstigt.

Das ist kein Vorwurf an einzelne Musikerinnen oder Musiker, sondern eine Beobachtung: Eine Kunstform, die sich ihrer Geschichte bewusst ist, müsste sich heute stärker fragen, wie Klang wieder Haltung transportieren kann, ohne dabei flach oder platt zu werden – und ohne sich hinter Abstraktionen zu verstecken.

Fazit

2025 war ein starkes Jahr für den Jazz – zugleich war es ein Jahr, in dem Jazz als gesellschaftliche Stimme erstaunlich leise blieb. Zwischen exzellenter Form und fehlender Reibung öffnet sich eine Lücke, die nicht mit Avantgarde-Gesten allein zu schließen ist. Was fehlt, sind nicht noch mehr gute Alben – sondern Musik, die wieder etwas aufs Spiel setzt.

——–

Hier nun Auszüge aus einer Liste von Alben, es waren gesichtet mehr als 500 Aufnahmen, die vielleicht besten, vielleicht interessantesten, vielleicht humorvollsten, vielleicht aussagekräftigsten, es sind dies die besten Jazz-Alben des Jahres 2025, basierend auf Kritiker- und Fanlisten, Fachseiten und Community-Empfehlungen aus dem Jahr (in keiner bestimmten Reihenfolge). Sie deckt ein breites Spektrum an Stilen ab – von modernem Avant-Jazz über Jazz-Fusion bis zu traditionelleren Sessions:

Of The Near And Far
von Patricia Brennan
Of The Near And Far
von Patricia Brennan
Modney – violin
Pala Garcia – violin
Kyle Armbrust – viola
Michael Nicolas – cello
Sylvie Courvoisier – piano
Miles Okazaki – guitar
Kim Cass – bass
John Hollenbeck – drums and percussion
Arktureye – electronics
Patricia Brennan – vibraphone with electronics, marimba
Eli Greenhoe – conductor
Memories of Home
John Scofield, Dave Holland
Memories of Home
John Scofield, Dave Holland
SWEETLIFE III
Yvonne Moriel
SWEETLIFE III
Yvonne Moriel – saxophone, Raphael Vorraber – drums, Stephanie Weniger – piano, moogs, Lorenz Widauer -trumpet, Tobias Meissl – vibraphone, Vincent Pongrácz – bassclarinet
yvonnemoriel
Rites & Revelations
von Laura Jurd
Rites & Revelations
von Laura Jurd
Laura Jurd – Trompete & Komposition
Martin Green – Akkordeon (bekannt aus der Folk-Band Lau)
Ultan O’Brien – Violine & Viola (irischer Musiker mit starkem Folk-Hintergrund)
Ruth Goller – Bass (Österreicherin mit avantgardistischem Ansatz)
Corrie Dick – Schlagzeug (schottischer Musiker, bekannt aus der Band Dinosaur)
The Healing
von Rodrigo Amado & Chris Corsano
The Healing
von Rodrigo Amado & Chris Corsano
Rodrigo Amado – tenor saxophone
Chris Corsano – drums
Soul Trio Bouncin` In Bubbleverse
Matti Klein
The 7th Dinner Live
von Joe Hertenstein Trio featuring Michael Moore and Michael Formanek with special guest Ray Anderson
Ray Anderson – trombone
Michael Moore – alto saxophone and clarinet
Michael Formanek – bass
Joe Hertenstein – drums
Zoh Amba – Sun
Zoh Amba – Sun
Artwork – Kaja Krakowian
Bass – Caroline Morton
Mastered By – Lasse Marhaug
Percussion – Miguel Marcel Russell
Piano – Lex Korten
Saxophone – Zoh Amba
Being-A-Ning (24bit Hi-Res 48khz)
von SILKE EBERHARD TRIO with Jan Roder and Kay Lübke
Being-A-Ning
von SILKE EBERHARD TRIO with Jan Roder and Kay Lübke
Silke Eberhard: Alto Saxophone
Jan Roder: Bass
Kay Lübke: Drums
Mary Halvorson, guitar (1-8), synth (Pocket Piano) (1–3, 8)
Immanuel Wilkins, alto saxophone (1-2, 4-5)
Brian Settles, tenor saxophone (1-2, 5, 8)
Adam O’Farrill, trumpet (1-8)
Jacob Garchik, trombone (1-8)
Patricia Brennan, vibraphone (1-8)
Nick Dunston, bass (1-8)
Tomas Fujiwara, drums (1-8)

Mary Halvorson, guitar (1-8), synth (Pocket Piano) (1–3, 8)
Immanuel Wilkins, alto saxophone (1-2, 4-5)
Brian Settles, tenor saxophone (1-2, 5, 8)
Adam O’Farrill, trumpet (1-8)
Jacob Garchik, trombone (1-8)
Patricia Brennan, vibraphone (1-8)
Nick Dunston, bass (1-8)
Tomas Fujiwara, drums (1-8)
For These Streets
von Adam O'Farrill
For These Streets
von Adam O’Farrill
Adam O’Farrill – trumpet & flugelhorn
Mary Halvorson – guitar
Patricia Brennan – vibraphone
David Leon – alto saxophone & flute
Kevin Sun – tenor saxophone & clarinet
Kalun Leung – trombone & euphonium
Tyrone Allen II – double bass
Tomas Fujiwara – drums
CALAMITE
von CALAMITE
CALAMITE
von CALAMITE
Mathilde Vendramin – main vocals + fx
Helena Montag – flute + fx + vocals
Paul Lapp – bass + synths + fx + vocals
Leon Griese – drums + fx
Under the Surface
Julia Hülsmann Quartet
Under the Surface
Julia Hülsmann Quartet
Julia Hülsmann – piano
Uli Kempendorff – saxophone
Marc Muellbauer – bass
Heinrich Köbberling -drums
Hildegunn Øiseth – trumpet
ECM
Sub Rosa
Julian Shore, Julian Shore Trio
Clone Row
by Ches Smith
Ches Smith – drums, vibes, electronics
Mary Halvorson – guitar (right channel)
Liberty Ellman – guitar (left channel)
Nick Dunston – bass, electronics
The Eternal
by Billy Mohler
The Eternal
by Billy Mohler
Consentrik Quartet
Nels Cline
Consentrik Quartet
Nels Cline guitar
Ingrid Laubrock saxophone Chris Lightcap bass
Tom Rainey drums
Bring a Friend
von Phil Donkin
Bring a Friend
von Phil Donkin – Double Bass
James Maddren – Drums
Clara Vetter – Piano
Felix Hauptmann – Fender Rhodes and Synths
Evi Filippou – Vibraphone
Theresia Philipp – Alto Saxophone
Jeremy Viner – Tenor Saxophone
Bastian Stein – Trumpet
Blame It on My Chromosomes
by Alex Koo
Blame It on My Chromosomes
by Alex Koo
Words Fall Short
Joshua Redman
Words Fall Short
Joshua Redman
Radio Paradise
Yaron Herman
Radio Paradise
Yaron Herman piano
Haggai Cohen Milo bass
Ziv Ravitz drums
Maria Grand saxophone
Just Us
Bob James, Dave Koz
Just Us
Bob James, Dave Koz
justusalbum.com/story
Living Ghosts (Live)
by Michael Wollny
Living Ghosts (Live)
by Michael Wollny
Fourth Page: Meaning of a Nest
by Sun-Mi Hong
Fourth Page: Meaning of a Nest
by Sun-Mi Hong
Myra Melford: Piano
Michael Formanek: Bass
Ches Smith: Drums, Vibraphone
Belonging
Branford Marsalis Saxophon
Joey Calderazzo Piano
Eric Revis Bass
Justin Faulkner Drums
Myra Melford: Piano
Michael Formanek: Bass
Ches Smith: Drums, Vibraphone
Myra Melford: Piano
Michael Formanek: Bass
Ches Smith: Drums, Vibraphone
Defiant Life
Vijay Iyer, Wadada Leo Smith
Defiant Life
Vijay Iyer, Wadada Leo Smith
Inside Colours Live
Inside Colours
Tokyo
Wolfgang Muthspiel, Scott Colley, Brian Blade

Top 25 Jazz-Alben 2025 USA Sammlung OpenAI

1. Mary Halvorson – About Ghosts – eines der meistgelobten Jazz-Alben des Jahres, innovativ und experimentell. (My Favorite DJNC)
2. Branford Marsalis Quartet – Belonging – Neuinterpretation eines Klassikers. (Wikipedia)
3. Brad Mehldau – Ride into the Sun – klanglich reich und inspiriert von Songwriter-Repertoire. (Wikipedia)
4. Nels Cline – Consentrik Quartet – vielseitig, post-bop-inspiriert, stark improvisiert. (Wikipedia)
5. Joshua Redman – Words Fall Short – kraftvolle Saxperformance mit frischer Quartettbesetzung. (Wikipedia)
6. Vijay Iyer & Wadada Leo Smith – Defiant Life – Duo-Meisterwerk mit tiefem Ausdruck. (Wikipedia)
7. Cosmic Ear – Traces – genreübergreifender Jazz-Weltmusik-Mix. (Wikipedia)
8. Charles Lloyd – Figure in Blue – elegantes Spätwerk mit starker Band. (Jazz Artistry Now)
9. Ambrose Akinmusire – Honey from a Winter Stone – introspektiv und spannend. (Jazz Artistry Now)
10. Cécile McLorin Salvant – Oh Snap – stimmlich und stilistisch brillant. (Jazz Artistry Now)
11. Brandee Younger – Gadabout Season – Harfenzentrierter Jazz mit Persönlichem. (Jazz Artistry Now)
12. John Scofield & Dave Holland – Memories of Home – Gitarren- und Basskunst. (Best of Jazz)
13. Lao Dan & Vasco Trilla – New Species – Duo-Exploration. (Best of Jazz)
14. Sylvie Courvoisier & Mary Halvorson – Bone Bells – Duo-Improvisation der Extraklasse. (Best of Jazz)
15. Isaiah Collier, William Hooker & William Parker – The Ancients – kraftvoller Trio-Jazz. (Best of Jazz)
16. Satoko Fujii’s This is It! – Message – intensives avant-japanisches Jazz-Quartett. (Best of Jazz)
17. Linda May Han Oh / Ambrose Akinmusire / Tyshawn Sorey – Strange Heavens – genreüberschreitende Zusammenarbeit. (Best of Jazz)
18. James Brandon Lewis Quartet – Abstraction Is Deliverance – emotional kraftvoll. (Reddit)
19. Ches Smith – Clone Row – experimentell und kühn. (Reddit)
20. Chicago Underground Duo – Hyperglyph – Elektronik trifft Freie Improvisation. (Reddit)
21. Damon Locks – List of Demands – genreübergreifend mit politischem Impetus. (Reddit)
22. Myra Melford / Formanek / Smith – Splash – lebendige Trio-Interaktionen. (Reddit)
23. Peter Evans / Petter Eldh – Jazz Fest – energiegeladenes Duospiel. (Reddit)
24. John Patitucci – Spirit Fall – Bass-Meisterwerk mit starken Momenten. (Reddit)
25. Amina Claudine Myers – Solace of the Mind – tief empfunden und reich strukturiert. (Jazz Artistry Now)

Top 25 Jazz-Alben 2025 EU Sammlung OpenAI

eine Liste der 25 besten Jazz-Alben des Jahres 2025 von europäischen Künstlerinnen oder Projekten* (also überwiegend Musizierende mit *prägnant europäischem Background bzw. Projekten, die im europäischen Jazzkontext stehen). Diese Zusammenstellung basiert auf mehreren europäischen Jazz-Jahrescharts, Fachseiten und Kritik-Auswertungen (u. a. Eurojazz Rankings und Jazzmagazine). (marlbank)

1. Chris Minh Doky & The Nomads – New Beginnings – Modernes Jazz-Rock/Eurojazz-Projekt mit europäischen und internationalen Solisten.
2. Gabi Hartmann – La Femme Aux Yeux de Sel – Deutsche Saxophonistin mit starkem melodischem und emotionalem Ausdruck.
3. Alex Koo – Blame It On My Chromosomes Belgisch-europäische Stimme im kreativen Jazz.
4. Julia Hülsmann Quartet – Under the Surface – Deutsches ECM-Quartett mit lyrischem und tiefgründigem Klang.
5. Wolfgang Muthspiel – Tokyo – Österreichischer Gitarrist mit ECM-Produktion; europäische Jazzästhetik pur.
6. Robin Verheyen – Liftoff – Belgisch-luxemburgischer Saxophonist mit sehr persönlichem Sound.
7. Eleonora Strino Quartet – Matilde – Italienisches Quartett mit frischem, improvisationsstarkem Jazz.
8. Lukas DeRungs – Wake – Europäisches Jazz-Projekt mit moderner Trio- bzw. Quartett-Musik.
9. Frederik Köster / NDR Bigband – K on the Shore – Europäische Bigband-Arbeit mit Trompeter/Komponist Frederik Köster.
10 . Kasper Rietkerk – The Happy Worrier – Niederländischer Bassist mit eigenständigem, melodischem Jazz.

Weitere bemerkenswerte europäische Jazz-Alben 2025

11. Paolo Fresu / Richard Galliano / Jan Lundgren – Mare Nostrum IV – Mediterraner, eleganter Jazz, oft als europäischer Sound klassifiziert. (couleursjazz.fr)
12. Emma Rawicz & Gwilym Simcock – Big Visit – Britisches Duo mit frischem, aufregendem Jazz.
13. Michael Wollny Trio – Living Ghosts (Live) – Starker europäischer Piano-Trio-Beitrag (DE-Szene).
14. Sinne Eeg & Jacob Christoffersen – Shikiori – Britisch/dänische Zusammenarbeit mit lyrischer Tiefe.
15. Jokers – Live at Bimhuis – Live-Aufnahme im legendären holländischen Jazzclub.
16. Mikkel Ploug – Lento – Dänischer Saxophonist mit kontemplativem Sound.
17. Johanna Summer – Upright – Italienische Bassistin mit Focus auf traditionellem und modernem Jazz.
18. Chris Minh Doky – The Sniper
Ein zweites stark besprochenes Projekt des europäischen Leaders.
19. Kassé Mady Diabaté / Da Kali – Bagola (im Jazz-kontext oft als Jazz/World-Jazz gehört) – Afrikanische Wurzeln, viel Airplay in Europa. (jazzthing.de)
20. Brìghde Chaimbeul – Sunwise (Crossover aus Folk & Jazz kontextiert) -. Airplay-Hit in Europa, stark traditionelle Wurzeln.

Bonus – European Jazz-Grenzgänger / internationale Kollaborationen mit stark europäischer Beteiligung

21. Nala Sinephro – Endlessness – Belgisch-karibische Kreativkünstlerin (Ambient/Avant-Jazz). (Wikipedia)
22. Roberto Magris & Europlane for Jazz – Freedom Is Peace – österreichisches Ensemble. (Wikipedia)
23. Moses Yoofee Trio – MYT – Berliner Avant/Fusion-Jazz (Live-Hype 2025). (theguardian.com)
24. Oscar Jerome – The Fork – Britischer Jazz/Neo-Jazz-Fusion (Jazz + Funk + Hip-Hop Elemente) – teils in europäischen Jahrescharts genannt. (lemonde.fr)

Top 25 Jazz-Alben 2025 Deutschland Sammlung OpenAI (Deutscher Jazzpreis)

1. Julia Hülsmann – Under the Surface – Intime, introspektive ECM-Produktion der deutschen Pianistin mit ihrem Quartett (inkl. Uli Kempendorff). (jerryjazzmusician.com)
2. Max Treutner – Zen Garden – Debütalbum des jungen deutschen Saxophonisten mit starkem melodischen Jazz-Drive.
3. Sebastian Sternal & HR Big Band – Turning Point – Große Bigband-Arrangements und brillante Performance aus Frankfurt.
4. Stefan Schultze / Peter Ehwald / Tom Rainey – Public Radio – Freie Improvisationen und kreatives Trio-Jazz auf Jazzwerkstatt. (Wikipedia)
5. Silke Eberhard Trio – Being-a-Ning – Saxophonzentrierter Kammer-Jazz des Trios mit deutscher Stimmführung. (Wikipedia)
6. Darius Heid – Funkstille – Doppelalbum mit zeitgenössischer, improvisierter Musik und experimentellen Elementen. (Wikipedia)
7. Moses Yoofee Trio – MYT – Energiegeladener, groove-orientierter Jazz mit Hip-Hop-Einflüssen aus Berlin (Debütalbum). (The Guardian)
8. Muriel Grossmann – Breakthrough – Stark besprochene Veröffentlichung einer der spannendsten Stimmen der deutschen Szene. (Reddit)
9. Christine Corvisier 5tet – Chansons de Cologne Vol. 2 – Charmante Jazz-Chansons-Interpretation aus Köln. (Connect)
10. Allgäu Meets India – hr-Bigband feat. Matthias Schriefl – Fusion aus Jazz-Bigband und indischen Einflüssen (Rundfunkproduktion des Jahres; Deutscher Jazzpreis).
11. Carl Wittigs Aurora Oktett – Album des Jahres – Großes Ensemble aus der deutschen Szene (Deutscher Jazzpreis).
12. Sera Kalo – Vokal Jazz Highlights – Preisgekrönte Vokalistin mit starkem Jazz-Statement (Deutscher Jazzpreis).
13. Ingrid Laubrock – Neue Projekte – Saxophonistin mit internationalem Profil, mehrfach in deutschen Listen.
14. Dima Bondarev – Blechbläser-Innovationen – Trompeter und Preisträger des Deutschen Jazzpreises.
15. Nick Dunston – Saiten-Jazz – Preisträger als Saiteninstrumentalist des Jahres.
16. Philo Tsoungui – Rhythmische Konstruktionen – Schlagzeuger des Jahres (Deutscher Jazzpreis).
17. Sebastian Sternal – Home (Trio) – Zusätzlich zum Bigband-Projekt ein starkes Trio-Album mit Larry Grenadier (angeführt in Kritikerkreisen).
18. Yvonne Moriel – Sweetlife III – Saxophon-Jazz-Release mit kreativer Zählung aus der Berliner Szene. (verhoovensjazz.net)
19. Philipp Maria Rosenberg – Rotwelsch – Deutsches Trio-Projekt mit originellen Kompositionen.
20. Calamite – Calamite – Bandprojekt mit deutschen Beteiligungen, jazz-experimentell geprägt.
21. Marco Ullstein Quintet – Detached Views – Vibraphon-zentrierter Jazz von einem deutschen/Amsterdamer Künstler. (Jazz’halo)
22. Cortex & Hedvig Mollestad – Did We Really? – Kooperation mit deutscher Beteiligung im europäischen Jazzkontext.
23. Yvonne Moriel & Svetlana Marichenko – b-flat Berlin DE – Stadtbezogenes Jazz-Projekt aus Berlin.
24. Christine Corvisier – Weitere Einzel-Releases – Saxophon- und Ensemblearbeit aus der deutschen Szene. (Connect)
25. HR Big Band – Additional 2025 Projects – Weitere herausragende Hörsessions & Kollaborationen der Band. (Connect)

Highlights & Kontext

  • Jazzwerkstatt Peitz hat 2025 viele spannende deutsche Improvisations-Jazz-Veröffentlichungen herausgebracht, darunter Public Radio von Schultze/Ehwald/Rainey. (jazzwerkstatt.eu)
  • Einige der genannten Künstler*innen waren Preisträger oder Nominiert beim Deutschen Jazzpreis 2025 (z. B. Aurora Oktett, Sera Kalo, Dima Bondarev). (Deutscher Jazzpreis)
  • Die Szene umfasst traditionelle Bigband-Arbeiten, moderne Trio-Ausprägungen, freie Improvisation und genreübergreifende Projekte – ein breites Spektrum deutscher Jazzkunst.

Mit den Besten Wünschen und Grüßen für 2026
– Alles Gute ! All the best !

Jahresrückblick Best of Jazz Albums 2025

jazzalbums review January 2025 1280-380
jazzalbums review January 2025
jazzalbums review February 2025 1280x380
jazzalbums review February 2025
jazzalbums review March 2025 1280x380
jazzalbums review March 2025
jazzalbums review April 2025 1280x380
jazzalbums review April 2025
jazzalbums review May 2025 1280x380
jazzalbums review May 2025
jazzalbums review June 2025 1280x380
jazzalbums review June 2025
jazzalbums review July 2025
jazzalbums review July 2025
jazzalbums review August 2025
jazzalbums review August 2025
jazzalbums review September 2025
jazzalbums review September 2025

Oktober, November, Dezember – wird, wenn möglich, nachgereicht – spielt vor dem Hintergrund der Reduplikationen jedoch nicht mehr erste Geige – ist auf dem Prüfstand – hab nicht mehr so viel Zeit für etwas, was keine Zeit mehr hat.

english
 

Virtuoso, reflective, inconsequential: jazz in a year of global upheaval

Viewed from a distance, 2025 was a good year for jazz. The number of high-quality releases is remarkable, and stylistically,the field is more open than ever: advanced improvisational music from New York, elegant productions from Europe with a vibrant British scene ranging from groove to electronica and chamber jazz, and a confident German landscape from big band to avant-garde. And yet, despite all the musical quality, questions arise.

Europe as a creative center

What is striking at first glance is the shift in emphasis. While American jazz seems to revel in its tradition-conscious habitus and certainly produces highly virtuoso jazz, it often seems to be confined to coffee houses, and it is difficult to distinguish between cool, hard, or bebop, the experiment still seems to be based in New York, while Trumpism is spreading as conservatism in the sense of preservation – even though Trumpism, of all things, exemplifies the insolence and loose lips that jazz is also said to embody, or even more strikingly: a rebellious attitude like in the seventies with Jimi Hendrix, Janis Joplin, or John Mayall, applied to jazz:
not Taylor Swift but Cecil Taylor.

Some people now claim that the aesthetic center of gravity lies in Europe, but find it difficult to substantiate this thesis, which asserts that European jazz often seems more reflective and less focused on virtuosity than on attitude and form, it becomes clear in the details and depth of the matter that this is only superficially the case. Much of what appears to be a response to social issues turns out to be technical finesse or refined understatement or a consequence of one’s own business model. When approached on the street, Alexander von Schlippenbach replied: these times are actually the best times for jazz. The adjective “actually” says it all: at the core of our time, jazz would be far ahead, yet something seems to be slowing it down, stopping it, leaving it to its own devices. Nor can one speak of a center of jazz or of a purely American discipline, or of European jazz emancipation. One thing determines the other, and the question of jazz’s resistance is also determined by the question of its resistance.

Nor can one speak of a center of jazz or of a purely American discipline, or of European jazz emancipation; one condition determines the other, and the question of jazz’s resistance arises anew. Is there a quality in jazz if it wants to be smooth, or does quality first give rise to friction? How can the different projects of Mary Halvorson, Julia Hülsmann, Nels Cline, or Wolfgang Muthspiel and James Brandon Lewis or Silke Eberhard contextualize, when each speaks and stands for itself – who still speaks of references and their models, who of sound culture or composition or even of a collective intelligence – that paraphrases itself . As soon as the names move out of context and speak their own plain language.

Narrowing the circle somewhat, we come to the German jazz scene, which still seems to have more or less two urban magnetic fields, Cologne and Berlin, with Hamburg making its presence felt here and there, then it’s Burghausen or Schaffhausen or Moers and Peitz – whichever way you look at it, relatives and acquaintances soon arrive, and you hear them raving about their communities – in Moabit or Stuttgart, in Leipzig, in Neukölln. Overcoming provincialism means learning to appreciate it, and then you never see it again. When the next big band project comes along, we already have the answer to the question of the too specific or intellectual or differentiated: reprovincialization or recollectivization are as opposed to each other as free jazz is to traditional jazz – the question arises:

Was that all?

As compelling as many albums sound, they often remain apolitical, with politics itself frequently dismissed with comments such as “you know what’s going on” or “you’re informed, so there’s nothing more to say about it” – and so on and so forth – but this is precisely what needs to be addressed: in an existential sense. In a year in which the war in Ukraine continues to escalate, the US is deeply divided both domestically and socially, and the Middle East conflict is polarizing the world, most jazz productions seem aesthetically shielded.

Historically, jazz has always been more than just sound: it is music of positioning, of resistance, of social reality. From Charles Mingus to Max Roach, from Carla Bley to the AACM – jazz was rarely neutral. This makes the absence of clear musical voices in 2025 all the more striking, voices that are audible, risk-taking, and even uncomfortable in their response to global upheavals.

Moral volume – musical silence.

It is true that individual artists, especially those from the critical spectrum, often express themselves verbally or in accompanying texts with harsh words against Israel – in some cases even resorting to problematic, highly simplistic narratives of genocide. Self-criticism, of course, remains absent. Musically, too, surprisingly little remains of this. Protest takes place in statements, rarely in the music itself. Sonically, much remains abstract, symbolic, evasive.

The few explicitly political approaches – such as those from the New York avant-garde – seem isolated: aesthetically interesting, but socially hardly relevant. A little noise, a little free jazz, a little deconstruction – that alone is no longer enough to reflect real political urgency.

Jazz between comfort zone and responsibility

Perhaps this is precisely where the void in the jazz year 2025 lies: not in a lack of quality, but in a lack of risk. Many productions are brilliant, well thought-out, perfectly produced – but they avoid confrontation. Jazz seems to have increasingly settled into a comfortable cultural niche, especially in Europe, where institutional security also encourages aesthetic caution.

This is not a criticism of individual musicians, but rather an observation: an art form that is conscious of its history should be asking itself more questions today about how sound can once again convey attitude without becoming shallow or flat—and without hiding behind abstractions.

Conclusion

2025 was a strong year for jazz – at the same time, it was a year in which jazz remained surprisingly quiet as a social voice. Between excellent form and a lack of friction, a gap opens up that cannot be closed with avant-garde gestures alone. What is missing is not more good albums – but music that puts something at stake again.