Simone Basile Morning Raga

Simone Basile Morning Raga

Simone Basile Morning Raga

Simone Basile (g), Manuel Caliumi (sax), Enzo Carniel (p), Ferdinando Romano (b), Giovanni Paolo Liguori (dr) (4,6) Release September 2022

„Das Hauptproblem des Jazz ist meiner Meinung nach die Tatsache, dass er oft als schwer verständliche Musik präsentiert wird, was zu Langeweile und nicht zum Vergnügen führt, so dass die neuen Generationen oft gar nicht erst versuchen, sich einem Jazzkonzert zu nähern. Dieses Vorurteil sollte von der Basis aus beseitigt werden, indem man in die Schulbildung der jungen Menschen eingreift und sie zu Konzerten auf Festivals oder in Theatern mitnimmt, die ihr Interesse wecken können.“

Zitat: Interview mit musicajazz.it

Simone Basile Morning Raga
Simone Basile Morning Raga

Simone Basile Morning Raga

Florenz – die Stadt der Medici, der Renaissance, die Hauptstadt der Toskana, die Stadt Leonardo Da Vincis, Leon Baptiste Albertis und Michelangelos, die Stadt Rossinis und Lullys, die Geburtsstadt der Oper 1598 (Jacopo Peri – La Dafne), rund hundert Jahre später wurde das erste Fortepiano gebaut von Bartolomeo Cristofori. Zwei herausragende Momente der Musikgeschichte prägen das Florentiner Leben, heute zeugt die Musikhochschule Conservatorio di Musica Luigi Cherubini von diesen Epochen, auf diesem Konservatorium lernte und studierte auch Simone Basile Jazzgitarre.

Im Interview mit musicajazz.it erfahren wir von seinen Vorlieben für Wes Montgomery, dem er eigens seine zweite Aufnahme Wes or No widmete. Pat Metheny und Jim Hall zählen zu seinen Einflussgebern wie Oscar Peterson, Bud Powell, Red Garland und Thelonious Monk. Zitat: „Ich versuche oft, das Klavier mit meiner Gitarre zu imitieren.Besonderer Dank gilt seinem Lehrer vom Konservatorium Umberto Fiorentino, der seinerseits mit drei Lern-Methoden in Erscheinung trat: ‚Improvisation‘, ‚Technik‘ und ‚Techniken für die Improvisation‘.

Simone Basiles dritte Aufnahme Morning Raga nun lässt aufhorchen. Nach Time und Wes or No, zwei ebenfalls exzellente Gitarrenalben, kommt Basile aus der Reserve und setzt so einige überraschende Akzente.

Das Intro Bob’s Alert beginnt mit einem satten Akkord und führt in einen interessanten Dialog zwischen der Tonbandstimme von Bob Kennedy und der freien Assoziation der Gitarre im Wechsel der Läufe und Klänge – um auf das titelgebende Stück Morning Raga zu wechseln. Ein einprägsamer Chorus und gleich auch satter Klangteppich, den Schlagzeuger Giovanni Paolo Liguori, Pianist Enzo Carniel und Bassist Ferdinando Romano freisetzen. Ein prima Raum für die Soli von Saxophon und Gitarre, beide setzen alles daran, dass dieses Stück noch eine Weile nachhallt.

Morning Raga ist hergeleitet aus der klassischen Indischen Musik: im Gegensatz zur Tonleiter unserer Breiten mit ihren 12 Tönen, teilt die indische Tonskala sich in 22 Tonschritten auf – den sieben Haupttönen unserer Tonleiter: Do, Re, Mi, Fa, Sol, La und Si stehen die sieben Haupttöne der indischen Tonleiter pro Skala Sa Ri Ga Ma Pa Dha Ni gegenüber, können dennoch nicht miteinander verglichen werden, da sich die Tonhöhen jeweils unterscheiden, am nächsten kommen sich noch der Grundton C (Do) und Sa.

Das spielt für diese Aufnahme insofern eine Rolle, als es unbedingt eine Unterscheidung gibt in der Behandlung von Ton und Akkord – der Akkord spielt im polyfonen System (dem unseren) eine bedeutende Rolle, im indischen läuft es auf eine Betonung jedes einzelnen Tons, dem zufolge auch auf ein Hintereinander statt einem In- oder Nebeneinander hinaus.

Raga steht auch für Energiefluss, in Basiles Absicht als Wunsch, wieder mit anderen zu musizieren und das mit neueren Generationen zu teilen. Simone Basile möchte unbedingt das Interesse junger Menschen an zeitgenössischer Musik, Kunst und progressivem Wandel wecken, jetzt, wo der Stillstand aus der Zeit der Pandemie vorbei scheint. Mit der energetischen Kraft und Spiritualität der indischen Ragas hier, mit Spielfreude und wieder gemeinsamem Erleben dort.

Was sich an Energie und Raumklang in Morning Raga andeutet, erfährt in Moak’s Shop seine unmittelbare Fortsetzung, leichtfüßige Melodieführung und komplexe Rhythmus-Strukturen gehen Hand in Hand. Hamsadhwani, übersetzt der Ruf der Schwäne, ist ebenfalls ein Raga, hier wechselt Giovanni Paolo Liguori auf die Hammond Orgal – die Gitarre kratzt in eigenwilligen Akkorden am reinen Sound – auch bemerkenswert, wie sie zusammenspielen und aufregende wie spannende Wechsel hin und her schicken.

No War schließlich so offensichtlich wie der Titel: keinen Krieg, sondern Frieden. Entsprechend beruhigtes Auftreten. Das wird in Hope gleich etwas diskursiver, um in Macci 36 quasi aus der Haut zu fahren, du hörst die ganze Klasse aller in einem kraftvollen Galopp. In Remember wird es kontemplativ wie in einer Zusammenfassung der Geschehnisse – du bist schon, ohne es gemerkt zu haben, am Ende angekommen.

Was eine Überraschung, das gesamte Album ist technisch höchst versiert, in der Abstimmung und im Timing so dynamisch und facettenreich, sie nehmen höchste Schwierigkeiten scheinbar leicht und flüssig, es entstehen Stück für Stück neue und ausgesprochen interessante Passagen – ein satter und warmer Sound, der dir da aus Florenz angeboten wird.

Das hörst und spürst du am besten, wenn nach Ende der Aufnahme nichts mehr ist, Stille und Ruhe – weit gefehlt, diese in sich ruhen zu lassen, denn: am besten du hörst die Aufnahme gleich noch einmal.

Wird Zeit, sich diesem Jazz aus Florenz länger und intensiver zu widmen. Soviel Engagement, soviel Spielwitz und melodisches Knowhow findest du in seiner Vielseitigkeit eher selten, und wenn man seinen Worten glauben will, so ist er noch lange nicht fertig mit sich und seinem Repertoire.

Morning Raga ist die dritte Veröffentlichung auf Bandcamp von Simone Basile

Simone Basile (g), Manuel Caliumi (sax), Enzo Carniel (p), Ferdinando Romano (b), Giovanni Paolo Liguori (dr)

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English Version

„The main problem with jazz, in my opinion, is the fact that it is often presented as music that is difficult to understand, which leads to boredom and not enjoyment, so that the new generations often do not even try to approach a jazz concert. This prejudice should be eliminated from the grassroots by intervening in the schooling of young people and taking them to concerts at festivals or theatres that can arouse their interest.“

Florence – the city of the Medici, the Renaissance, the capital of Tuscany, the city of Leonardo Da Vinci, Leon Baptiste Alberti and Michelangelo, the city of Rossini and Lully, the birthplace of opera in 1598 (Jacopo Peri – La Dafne), about a hundred years later the first fortepiano was built by Bartolomeo Cristofori. Today, the Conservatorio di Musica Luigi Cherubini bears witness to these epochs, and it was at this conservatory that Simone Basile learned and studied jazz guitar.

In the interview with musicajazz.it, we learn about his preferences for Wes Montgomery, to whom he specially dedicated his second recording Wes or No. Pat Metheny and Jim Hall are among his influences, as are Oscar Peterson, Bud Powell, Red Garland and Thelonious Monk. Quote: „I often try to imitate the piano with my guitar.“ Special thanks to his conservatory teacher Umberto Fiorentino, who in turn came up with three learning methods: ‚improvisation‘, ‚technique‘ and ‚techniques for improvisation‘.

Simone Basile’s third recording, Morning Raga, makes one sit up and take notice. After Time and Wes or No, two also excellent guitar albums, Basile comes out of the closet and thus sets some surprising accents.

The intro Bob’s Alert begins with a lush chord and leads into an interesting dialogue between the tape voice of Bob Kennedy and the free association of the guitar in the alternation of runs and sounds – to switch to the title track Morning Raga. A catchy chorus and at the same time a rich carpet of sound released by drummer Giovanni Paolo Liguori, pianist Enzo Carniel and bassist Ferdinando Romano. A great space for the solos of saxophone and guitar, both do their utmost to make this piece resonate for a while.

Morning Raga is derived from classical Indian music: in contrast to the scale of our latitudes with its 12 tones, the Indian scale is divided into 22 tone steps – the seven main tones of our scale: Do, Re, Mi, Fa, Sol, La and Si, the seven main tones of the Indian scale per scale Sa Ri Ga Ma Pa Dha Ni, can nevertheless not be compared with each other, as the pitches differ in each case, the closest being the fundamental C (Do) and Sa.

This plays a role for this recording insofar as there is absolutely a distinction in the treatment of tone and chord – the chord plays an important role in the polyphonic system (ours), in the Indian system it amounts to an emphasis on each individual tone, according to which it also amounts to one behind the other instead of one in or next to the other.

Raga also stands for energy flow, in Basile’s intention as a desire to make music again with others and share that with newer generations. Simone Basile is eager to awaken young people’s interest in contemporary music, art and progressive change, now that the pandemic-era stagnation seems to be over. With the energetic power and spirituality of Indian ragas here, with the joy of playing and experiencing together again there.

What is hinted at in terms of energy and spatial sound in Morning Raga finds its immediate continuation in Moak’s Shop, light-footed melodic guidance and complex rhythm structures go hand in hand. Hamsadhwani, translated as the call of the swans, is also a Raga, here Giovanni Paolo Liguori switches to the Hammond organ – the guitar scratches at the pure sound in idiosyncratic chords – also remarkable how they play together and send exciting as well as thrilling changes back and forth.

No War finally as obvious as the title: no war, but peace. A correspondingly calm demeanour. This becomes a bit more discursive in Hope, to virtually fly off the handle in Macci 36, you hear the whole class of everyone in a powerful gallop. In Remember it becomes contemplative as if in a summary of the events – you have already arrived at the end without realising it.

What a surprise, the whole album is technically highly accomplished, so dynamic and multi-faceted in the tuning and timing, they take the highest difficulties seemingly easily and fluidly, new and extremely interesting passages emerge piece by piece – a rich and warm sound that is offered to you from Florence.

You can hear and feel this best when there is nothing left after the end of the recording, silence and stillness – far from it, to let it rest in itself, because: it is best to listen to the recording again right away.

It’s time to devote yourself to this jazz from Florence longer and more intensively. So much commitment, so much playfulness and melodic know-how are rarely found in his versatility, and if his words are to be believed, he is far from finished with himself and his repertoire.